Verkehrshaus hebt in neue Sphären ab

RAUMFAHRT ⋅ Die neue Ausstellung «Space – The Exhibition» entführt die Besucher ins Weltall. Bei diesem Abenteuer kann ihnen ein Ratschlag von Astronaut Claude Nicollier helfen.

25. November 2016, 00:00

Roger Amberg

roger.amberg@luzernerzeitung.ch

Astronaut werden, in der Schwerelosigkeit schweben und die Erde aus dem Weltall betrachten, davon haben sicher viele schon geträumt. Zumindest einer dieser Wünsche wird in der neuen Ausstellung zur Raumfahrt im Verkehrshaus Luzern teilweise erfüllt. In der Haupt­attraktion der neuen Ausstellung, dem «Space Transformer», erleben die Besucher annähernd, wie sich Schwerelosigkeit im Weltraum anfühlt. In einem um seine diagonale Achse drehenden, 10 Meter hohen Würfel können fünf Personen erleben, wie einem wortwörtlich der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Plötzlich weiss der Besucher nicht mehr, ob er am Boden, an der Decke oder an der Wand steht. Es entsteht kurzzeitig ein Gefühl der Orientierungslosigkeit. Der Rat von Claude Nicollier, dem bisher einzigen Schweizer Astronauten: «Im Weltall gibt es kein Unten und Oben. Man kann aber sagen, dass unten immer dort ist, wo die Füsse stehen.»

Der bereits an der Luga 2014 ausgestellte Raumwandler ist nicht das einzige Highlight der 300000 Franken teuren Ausstellung (der Wert der Ausstellungsstücke beläuft sich auf über 2 Millionen Franken). In verschiedenen Räumen wird man durch die Geschichte der Raumfahrt geführt, von den ersten Raketenstarts bis zu den neuesten Marsmissionen. Unter anderem taucht man in eine Marslandschaft ein, wo den Robotern bei der Arbeit zugesehen werden kann. Es gibt zudem viele kleine, aber feine Details zu bestaunen. So gibt es zum Beispiel eine Ausstellung zu Claude Nicollier, in der persönliche Gegenstände und Werkzeuge des Astronauten zu sehen sind. Wen der Raumwandler noch zu wenig in den Körper eines Astronauten versetzt hat, kann sich auf dem Multi-Axis-Trainer versuchen. Im Trainingsgerät für Astronauten wird man in einem Rad um die eigene Achse geschleudert und kann so erleben, wie sich die «Mercury»-Astronauten Anfang der 1960er-Jahre beim Training gefühlt haben.

Viel Lob für das Verkehrshaus

Die Eröffnung kurz vor halb zwölf war dem Start eines Space-Shuttles nachempfunden, bei dem ein Countdown den bevorstehenden Start einläutete. Die rund 150 Gäste geizten nicht mit Lob für die Neuigkeit des Verkehrshauses. Zudem lobte US-Botschafterin Suzan G. LeVine die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Urs Frei, CEO des Swiss Space Office vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, erklärte den grossen Beitrag der Schweiz an der europäischen Raumfahrt, und Eugen El­miger, Chef von Maxon Motors, erklärte, wie die winzigen Motoren seiner Firma einen grossen Beitrag zur Erforschung des Mars leisten.

Die emotionalste Ansprache hielt aber Claude Nicollier, dem die grosse Begeisterung über die Raumfahrt deutlich anzumerken war. Es herrschte eine gespannte Ruhe, als Nicollier über seine persönlichen Erfahrungen im Weltall berichtete, wo er unter anderem an dem im Verkehrshaus neu inszenierten Forschungssatelliten «Eureca» arbeitete. «Das sind sehr spezielle Erinnerungen. Es war ein Privileg und ein wunderbares Abenteuer», so Nicollier, der das Verkehrshaus lobt: «Die Raumfahrt gehört in ein Verkehrsmuseum. Ich bin sehr froh, dass dieser Akzent auf die Raumfahrt hier gesetzt wurde. Das ist nicht nur ein Beweis des Interesses der Schweiz an der Raumfahrt, sondern es ist auch ein klares Zeichen dafür, dass wir dabei sind, Akademien und die Industrie der Schweiz in der Raumfahrt zu beteiligen», so Nicollier, der in den Neunzigerjahren viermal die Erde verliess.

Begeistert und stolz über die neue Ausstellung zeigte sich auch Verkehrshausdirektor Martin Bütikofer: «Das ist der Beginn einer neuen Ära. ‹Mission to Space›, das ist unser Motto für die nächsten Jahre, welches wir unseren Besuchern vermitteln wollen.» Die Ausstellung ist ab sofort öffentlich zugänglich und soll ständig erweitert werden. Zusätzlich eröffnet im Planetarium ab nächster Woche die Weltneuheit «Dort draussen». Zudem läuft seit Anfang der Woche im Filmtheater der neue 3-D-Film «Journey to Space».

www. Weitere Bilder von der Eröffnung auf: luzernerzeitung.ch/bilder

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