«Vor uns liegt noch viel Arbeit»

EBIKON ⋅ Die Gemeinde hat ein völlig neues Führungsmodell erhalten. Im Reformprozess gab es allerdings Turbulenzen. Wo steht Ebikon heute, vier Monate nach dem abrupten Abgang der Geschäftsführerin?
10. Oktober 2016, 00:00

Interview Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Die Gemeinde Ebikon sucht zurzeit einen neuen Geschäftsführer. Erst im vergangenen April hatte Pia Maria Brugger diese neu geschaffene Funktion übernommen – und sie zwei Monate später nach einem Konflikt mit dem Gemeinderat wieder niedergelegt (siehe Kasten). Die Controlling-Kommission der Gemeinde ist kürzlich zum Schluss gekommen, dass unterschiedliche Auffassungen über die künftige Strategie zum Bruch geführt haben (Ausgabe vom 4. Oktober). Inzwischen wurde die Reorganisation der Gemeindeführung weiter vorangetrieben – allerdings ohne Pia Maria Brugger, die bis zu ihrem Abgang massgeblich an diesem Prozess beteiligt war. Wo steht man heute? Wir sprachen mit dem Ebikoner Gemeinderat Ruedi Kaufmann (FDP).

Ruedi Kaufmann, die Con­trolling-Kommission ist zum Schluss gekommen, dass unterschiedliche Auffassungen über die künftige Führungsstruktur zur Trennung von der Geschäftsführerin geführt haben. Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wo es unterschiedliche Auffassungen gab?

Ich bin der Meinung, dass zu den Gründen, welche zur Trennung von Pia Maria Brugger führten, alles gesagt wurde.

Gemeindepräsident Daniel Gasser sagte kürzlich in unserer Zeitung, dass das Anforderungsprofil für den künftigen Geschäftsführer geschärft wurde. Was bedeutet das genau?

Der Rekrutierungsprozess für den künftigen Geschäftsführer ist gut aufgegleist. Das Anforderungsprofil ist Gegenstand der Anstellungsgespräche und soll nicht weiter öffentlich diskutiert werden.

Pia Maria Brugger verliess die Gemeinde mitten im Re­organisationsprozess, den sie massgeblich mitgestaltete. Wie wurde der Prozess seit Frau Bruggers Abgang weitergeführt?

Der Prozess wurde so weitergeführt, wie er von Pia Maria Brugger mitgestaltet und geplant wurde. Es waren keine Korrekturen notwendig. Die Trennung hat bei einigen Teilprozessen zu gewissen Verzögerungen geführt.

Wird der neue Geschäftsführer die Reorganisation noch zu Ende führen müssen, oder sind die wichtigsten Eckpunkte mittlerweile klar?

Die Eckpunkte sind geklärt. Aufgabe des neuen Geschäftsführers wird sein, den Prozess im bisherigen Sinn weiterzuführen und abzuschliessen.

Offiziell wurde das neue Führungsmodell ja schon im April in Kraft gesetzt. Doch der Eklat um die Geschäftsführerin zeigte, dass offenbar wesentliche Fragen noch nicht geklärt waren. War man im April schlicht noch nicht parat für das neue Modell?

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein so grundlegender Wechsel zu Fragen führt, welche im Vornherein nicht alle geklärt werden konnten. Aus diesem Grund haben wir ja bereits im April mit dem neuen Modell gestartet, um Antworten auf offene Frage zu finden. Die Erfahrung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und am Modell keine Retuschen nötig sind.

Ihre persönliche Bilanz der ersten sechs Monate – wie hat sich die Arbeit des Gemeinderats seither verändert?

Der Wechsel des Führungsmodells führt zu einer neuen Kultur auf allen Ebenen. Es wird noch viel Zeit brauchen, bis dieser Wandel abgeschlossen ist. Ich kann aber sagen, dass der Gemeinderat mit den beiden neuen Gemeinderäten Susanne Trösch und Hans-Peter Bienz sehr gut in die neue Legislaturperiode gestartet ist. Schon jetzt kann festgestellt werden, dass auch mit dem neuen System der strategischen und operativen Trennung die zeitliche Beanspruchung mit dem vorgegebenen Pensum für einen Gemeinderat kaum zu bewältigen sein wird. Erwähnen möchte ich auch die Zusammenarbeit mit den neu gebildeten Kommissionen, welche sich aus meiner Sicht positiv angelassen haben. Wir sind auf dem richtigen Weg, es liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns.

Hinweis

Ruedi Kaufmann (FDP) ist Bildungsvorsteher von Ebikon. Da Gemeindepräsident Daniel Gasser zurzeit abwesend ist, nimmt Kaufmann als Vizepräsident im Interview Stellung. Das Interview wurde schriftlich geführt.


Leserkommentare

Anzeige: