Wenn das Geld im Alter nicht reicht

ARMUT ⋅ Viele Senioren verzichten auf staatliche Unterstützung, obwohl sie darauf Anspruch hätten. Die Stadt Luzern will deshalb Senioren über ihre Rechte aufklären.

02. Dezember 2016, 00:00

Dass Altersarmut ein Thema ist, das uns alle betrifft, wollte das Forum Luzern 60plus am Mittwoch im Zentrum Maihof aufzeigen. Der Einladung zu der öffentlichen Veranstaltung «Knappe Mittel im Alter» haben an die 100 Personen Folge geleistet. Professor Carlo Knöpfel ist Mitautor des Handbuchs «Armut in der Schweiz». In seinem Referat an der Veranstaltung ging er unter anderem auf die Umstände, die zu einer Altersarmut führen können, ein. «Vor allem Frauen und Geschiedene oder Migranten sind betroffen. Frauen, die aus familiären Gründen lange Zeit nicht berufstätig sein konnten», führte er in seinem Referat aus. Dabei seien es nicht nur die finanziellen Aspekte, auch die Gesundheit und das gesellschaftliche Leben seien meist davon abhängig. Viele ältere Menschen wüssten auch nicht, wohin sie sich wenden könnten, um Hilfe zu erhal­- ten. Seiner Meinung nach werde sich die Situation infolge von Krankenkassenprämienerhöhungen, hohen Mietzinsen und Kürzungen von Ergänzungsleistungen in naher Zukunft nicht verbessern. Im Gegenteil, es müsse mit zunehmender Altersarmut gerechnet werden. Hinzu komme die Scham oder Angst der älteren Menschen, Ergänzungsleistungen zu beantragen. «Schlussendlich führt diese Armut auch dazu, dass sich viele Betroffene allein aus sozialen Gründen schon früh für ein Pflegeheim entscheiden, obwohl sie es gesundheitlich gar nicht nötig hätten», so Knöpfel.

Wie ein Leben mit knappen Mitteln aussehen kann, erzählte ein Betroffener vor Ort. Der 70-Jährige hat ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium, wurde mit 55 arbeitslos, lebte dann vom Arbeitslosengeld und liess sich das Pensionskassengeld auszahlen. Heute muss er mit 2500 Franken monatlich über die Runden kommen. «Nach allen Abzügen bleiben mir somit 45 Franken pro Tag», sagt er. Trotzdem sei er nicht unzufrieden, und er habe sich mit der Situation arrangiert. So gehe er beispielsweise meist kurz vor Ladenschluss einkaufen, wenn die Preise runtergesetzt seien. Er kaufe vor allem günstige Produkte und lebe in einer billigen Wohnung. Einmal im Jahr auswärts essen gehen sei für ihn Luxus, allerdings lasse er sich dazu einladen, lacht der Rentner.

14 Prozent beziehen Ergänzungsleistungen

Das Forum Luzern 60plus ist eine von der Stadt initiierte Plattform für Altersfragen. Der Stadtrat nehme das Thema Altersarmut «sehr ernst», teilte Sozialdirektor Martin Merki (FDP) den Anwesenden mit. Genaue Zahlen von Betroffenen seien nicht bekannt, da viele ältere Menschen von ihrem Recht auf Ergänzungsleistungen nicht Gebrauch machen würden. «Im Kanton Luzern sind 14 Prozent der über 65-Jähri­- gen Ergänzungsleistungsbezüger», so Merki. Der Stadtrat unternehme viel gegen die Altersarmut, wie beispielsweise Vergünstigungen für den Mittagstisch oder das ÖV-Abo. Ausserdem stehe mit dem Sozialzentrum Rex eine professionelle Beratungsstelle zur Verfügung. Merki weiss, dass in der Stadt Luzern die Mietzinspreise für viele ältere Menschen ein ernsthaftes Problem darstellen. Deshalb weist er auf die Zusatzleistungen zur AHV (AHIZ) hin. Diese tragen gemäss Merki dazu bei, dass Senioren länger in ihrer Wohnung bleiben können und nicht in ein Pflegeheim eintreten müssen. Es sei wichtig, dass die Betroffenen davon wüssten, denn die AHIZ sei ein rechtlicher Anspruch und keine Sozialhilfe.

Astrid Longariello

stadt@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Informationen rund um Alters­fragen in der Stadt Luzern:

www.luzern60plus.ch


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