Aalto-Hochhaus wird ausgehöhlt

SCHÖNBÜHL ⋅ Das markante Hochhaus an der Langensandstrasse wird knapp 50 Jahre nach der Fertigstellung saniert. Alle Mieter müssen ausziehen – auch solche, die seit Jahrzehnten dort wohnen.
20. Mai 2017, 00:00

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Es ist bekannt für seine fächerartige Anordnung und seine gute Aussicht aus jeder Wohnung: das Aalto-Hochhaus im Schönbühl-Quartier. Nun muss der denkmalgeschützte Bau aus dem Jahr 1968 des finnischen Architekten Alvar Aalto umfassend erneuert werden. Am Donnerstagabend fand dazu eine Mieterinformation statt, wie die Verwaltung, die Redinvest Immobilien AG, gestern mitgeteilt hat. Während des gesamten Umbaus von 2018 bis 2020 können die Mieter nämlich nicht dort wohnen bleiben. Insgesamt hat es im Hochhaus 84 Wohnungen.

Laut der Redinvest Immobilien AG macht der Zustand des knapp 50-jährigen, denkmalgeschützten Gebäudes eine Gesamtsanierung unumgänglich. Dies habe eine Zustandsanalyse bestätigt. Die Sanierung kostet 22 bis 25 Millionen Franken. Dabei wird praktisch alles erneuert: Wände, Fenster, Böden, Küchen, Bäder und die gesamte Haustechnik. Die Heizung wird in den Fussboden verlegt, die Wärme wird aber wie bisher von der Ölheizung der Energiezentrale des Schönbühl-Centers kommen. Zudem wird die Gebäudehülle besser isoliert.

Grundrisse werden leicht verändert

Die Sanierung der Küchen und Bäder hat zur Folge, dass sich die Wohnungsgrundrisse leicht verändern: So werden etwa 5 1/2 -Zimmer-Wohnungen um einen Raum verkleinert und 2 1/2 -Zimmer-Wohnungen um einen vergrössert. «Damit wollen wir die Marktfähigkeit verbessern, denn für 4 1/2 - und 3 1/2 -Zimmer-Wohnungen findet man heutzutage einfacher Mieter», erklärt Daniel Ringli, Immobilien-Treuhänder bei Redinvest, auf Anfrage. Die Grösse der Zimmer bleibe aber ungefähr gleich. Aktuelle Normen erfordern ausserdem Anpassungen beim Brandschutz sowie bei der Erdbebensicherheit: zum Beispiel den Einbau von Stahlkabeln, die durch das ganze Gebäude bis in den Boden verlaufen. Laut der Verwaltung führen die Renovationsarbeiten dazu, dass das Gebäude auf seinen Rohbau rückgebaut werden muss. Es sei aber ein Anliegen der Bauherrschaft, dass die architektonische Handschrift unverändert sichtbar bleibt. Das Hochhaus ist das einzige Werk von Alvar Aalto in der Schweiz. Bauherr und Vermieter ist Nicolas von Schumacher.

Ankündigung war für Mieter «ein Schock»

Die Sanierung des Gebäudes wird sich im höheren Mietpreis widerspiegeln. Wie hoch dieser sein wird, ist laut Ringli noch nicht entschieden, er soll aber «marktkonform» sein. «Es gibt viele betagte Mieter, die seit Jahrzehnten dort wohnen. Da kann es sein, dass sich der Mietpreis fast verdoppelt.» Vor allem bei diesen Mietern sei die Ankündigung der Verwaltung ein Schock gewesen: «Die Mieterinformation verlief teilweise sehr emotional. Gewisse Leute haben damit gerechnet, andere nicht. Deshalb wollten wir unsere Mieter auch so früh wie möglich informieren.»

Bei der Wohnungssuche bietet die Verwaltung ihren Mietern Hand: Es werden zum Beispiel Ersatzmietwohnungen aus dem Immobilienbestand der Verwaltung angeboten. Will jemand nach der Sanierung wieder einziehen, wird er gegenüber Neumietern bevorzugt. Die Baueingabe bei der Stadt Luzern soll Ende August erfolgen. Die Sanierung ist auf Anfang September 2018 und der Bezug auf Frühling 2020 geplant.


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