«Das Ensemble wird immer freier»

ZWISCHENBILANZ ⋅ Walter Sigi Arnold spielt die Hauptrolle in «Stadt der Vögel». In der Halbzeit der 27 Aufführungen lobt er die Entwicklung des Ensembles und verrät, wie zwei Zuschauer ihn hinterrücks überraschten.
12. Juli 2017, 00:00

Interview: Yvonne Imbach

stadt@luzernerzeitung.ch

Nach rund der Hälfte der geplanten Aufführungen von «Stadt der Vögel» zieht der Verein Freilichtspiele Luzern eine positive Bilanz: Bereits 5000 Zuschauer besuchten eine Aufführung. Als einziger Profi unter ambitionierten Laien steht der Luzerner Schauspieler Walter Sigi Arnold (58) die ganzen 90 Minuten auf der Bühne. Im Interview blickt er auf die erste Halbzeit zurück.

Walter Sigi Arnold, die Hälfte der Aufführungen ist durch. Wie geht es Ihnen?

Immer noch sehr gut, obwohl die Aufführung nebst der geistigen Präsenz auch körperlich einiges abverlangt und es manchmal doch sehr heiss war.

Wie erlebten Sie die Publikumsreaktionen?

Die Rückmeldungen, die ich bekommen habe, waren durchwegs positiv. Das Gesamtwerk, der tolle Bilderbogen, eingebettet in die perfekt dazu passende Landschaft, und der Sprachwitz sowie die Musik werden sehr gelobt. Dazu das quirlige, quicklebendige Spiel aller Beteiligten und das hohe Tempo der Vorstellung und natürlich die wunderbaren Kostüme der Vögel: Wenn die Zuschauer es am Schluss bedauern, dass die anderthalb Stunden schon vorbei sind, ist dies doch eigentlich die schönste Reaktion.

Wegen des Wetters musste bisher keine Vorstellung abgesagt werden.

Nein. Einmal haben wir wegen sehr starken Regens etwas später begonnen. Es hat dann trotzdem fast die ganze Vorstellung hindurch geregnet, aber alle Spieler waren noch konzentrierter dabei, und es wurde eine wunderbare, intensive Vorstellung, auch für das Publikum, das ja unter dem Dach vor dem Regen geschützt war.

Lief bisher alles glatt, oder kam es zu einer Panne?

Wie heisst es so schön: «Holz alänge!» Bis jetzt lief alles ohne spielstörende Pannen ab, selbst als wir einmal ein Mikroport bei einer Spielerin ersetzen mussten und der Tontechniker mit einem Ersatz herbeigeeilt kam, wurde das mit grossem Applaus bedacht. Es kam auch schon vor, dass aus regentechnischen Gründen ein Scheinwerfer kurz ausfiel. Bei einer Aufführung liefen kurz vor Schluss zwei Zuschauer hinten quer über die Bühne, die offenbar dringend den Bus erreichen mussten und deshalb diese Abkürzung genommen hatten. Ich dachte zuerst: Was ist denn heute an meinem Text so lustig?, bis ich den Grund der Publikumslacher bemerkte.

Sie sind der einzige Profischauspieler unter 40 Laien. Wie erleben Sie das?

Ich habe schon öfters mit Laien gespielt und empfinde diese Zusammenarbeit immer wieder als sehr bereichernd. Natürlich ist die Arbeitsweise etwas anders, man arbeitet über einen viel längeren Zeitraum an einem Stück. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Laien, unter denen es ja solche mit sehr viel Spielerfahrung gibt, immer mehr in die Rollen hineinwachsen und dank ihres grossen Engagements und ihres Enthusiasmus und der Hilfe durch die Regie zu wunderbaren Rolleninterpretationen kommen. Da staune ich oft über diese grosse Entwicklung von der ersten Leseprobe bis zur Premiere.

Sie haben keine Pause im Spiel, 90 Minuten gilt volle Präsenz. Sie ziehen also quasi den Karren.

Es ist schon so, dass die Figur des Makarios, die ich spiele, sehr zentral ist für das ganze Geschehen und es auch entsprechend wichtig ist, dass ich diese Figur mit viel Einsatz, Präsenz und Dynamik spiele. Zudem ist es ja auch meine Aufgabe als Profi, diese nötige Präsenz im Spiel jeden Abend auf gleich hohem Niveau abrufen zu können. Dies ist im Zusammenspiel mit dem wunderbaren Ensemble bei «Stadt der Vögel» aber auch nicht so schwer, weil alle mit einer sehr grossen Ernsthaftigkeit, Genauigkeit, grossem körperlichem Einsatz und enorm viel Spielfreude dabei sind.

Schleicht sich nach so vielen Aufführungen Routine ein?

Mit der zunehmenden Anzahl an Aufführungen wird man natürlich sicherer und etwas «freier». Man findet auch immer noch neue Aspekte, um die Rolle weiterzuentwickeln oder zu verfeinern. Und diese Routine ermöglicht es dann auch, dass zum Beispiel die Übergänge oder die Anschlüsse flüssiger werden und so die ganze Vorstellung einen grösseren Zug bekommt, als dies vielleicht noch bei der Premiere der Fall war.

Wie halten Sie sich fit?

Ich fange ab dem späteren Nachmittag an, mich auf die Vorstellung einzustimmen, mit Aus­ruhen, Schwimmengehen und nochmaligem Durchgehen des gesamten Textes. Dies auch deshalb, weil ich am Morgen oft noch mit anderen Theaterstücken und Texten beschäftigt bin.

Was wird Ihnen aus «Stadt der Vögel» unvergessen bleiben?

Für mich persönlich ist es die wirklich tolle Rolle, die ich da spielen kann, und im Allgemeinen ist es der wunderbare Zusammenhalt des ganzen Ensembles.

Und was planen Sie nach der Derniere am 29. Juli?

Ich arbeite bereits an der Rolle und dem Text für die Schweizer Erstaufführung von «The Book Of Disquiet» von Michel van der Aa. Das ist eine Produktion des Lucerne Festival, die am 13. August, also zwei Wochen nach unserer letzten Vorstellung auf Tribschen, im Luzerner Theater aufgeführt wird. Danach hoffe ich auf einige Tage Ferien.

Hinweis

«Stadt der Vögel» wird noch bis am 29. Juli auf Tribschen aufgeführt. Tickets gibt es beim LZ-Corner in Luzern, Stans und Altdorf oder unter: www.freilichtspiele-luzern.ch


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