Der Stadtpark hat seinen Ruf spielerisch verbessert

LUZERN ⋅ Das Vögeligärtli ist wieder ein familienfreundlicher Stadtpark. Zu verdanken ist dies vor allem dem Verein Spieltraum – dieser stellt sein beliebtes Angebot nun aber ein.
05. Oktober 2017, 00:00

Egal ob jung oder alt, gross oder klein, Mädchen oder Knabe – die Spielnachmittage im Vögeligärtli Luzern (Sempachergarten) waren bei einem breiten Publikum begehrt. Doch nun ist damit Schluss. Letzten Samstag führte der Verein Spieltraum das Angebot im Vögeligärtli zum letzten Mal durch. «Das Vögeligärtli ist unterdessen auch ohne unser Angebot belebt und dient als Spiel- und Erholungsraum», sagt René Fuhrimann, Präsident des Vereins Spieltraum. Deshalb sehe der Verein zurzeit keine dringende Notwendigkeit, die Spielnachmittage weiterzuführen.

Die Finanzierung der Spielnachmittage erfolgte in den letzten Jahren durch Spenden von Stiftungen und anliegenden Geschäften sowie mit Beiträgen der Stadt Luzern und der Reformierten Kirche Stadt Luzern. Besonders die Unterstützung der Stadt habe entscheidend zur Wiederbelebung des Vögeligärtlis im Hirschmattquartier beigetragen, sagt Fuhrimann. Er betont: «Wir haben unser Ziel im Vögeligärtli erreicht und sind überzeugt, dass die Atmosphäre auch ohne die Spielnachmittage erhalten bleiben kann.» Der 2010 neu erbaute Spielplatz im Vögeligärtli lädt jedenfalls weiterhin zum Spielen und Austoben ein.

Tipizelt steht künftig an einem anderen Ort

Die Spielnachmittage im Vögeligärtli fanden seit 2005 – ausser in den Sommerferien – jeden Samstag zwischen Mai und Oktober statt. Bei Stelzen-Wettrennen, Kaplaturm-Bauen, Basteln und vielen weiteren Aktionen vergnügten sich jeweils durchschnittlich mehr als 40 Kinder. Die Spielnachmittage waren offen für alle und wurden von Spielanimatoren organisiert.

Im Vögeligärtli hat der Verein Spieltraum seine Tätigkeit nun also beendet. In der Stadt Luzern wird er aber wie bisher weiter im Inseli-Park, im Bleichergärtli und im Quartier Fluhmühle-Lindenstrasse tätig sein. Zudem bietet der 1996 gegründete Verein auch in der Stadt Zug in zwei Quartieren Spielnachmittage an. Laut Fuhrimann will der Verein künftig ein weiteres Quartier unterstützen. Zurzeit seien drei Anfragen aus der Stadt Luzern und aus Ebikon offen. Das beliebte Vögeligärtli-Tipizelt wird künftig also an einem anderen Ort stehen – wo genau, ist noch offen.

«Mit den Spielnachmittagen verfolgen wir zwei Hauptziele», sagt Fuhrimann: «Einerseits wollen wir den Kindern die Möglichkeit bieten, unterschiedliche Spielformen kennen zu lernen. Andererseits ist es uns ein Anliegen, eine Quartierkultur aufzubauen und mit dem Spielangebot den Austausch unter den Bewohnern zu fördern.» Man wolle ­Leben in die Stadt, die Quartiere und die Parks bringen. Zudem soll das Angebot auch Kontaktmöglichkeiten zwischen verschiedenen Kulturen und Altersgruppen ermöglichen.

Bis im Februar 2008 trafen sich in einem Teil des Vögeligärtlis Menschen mit Alkohol- und Drogenproblemen. Der Spielplatz war alt und wurde nur selten von Familien benutzt. Mit dem Wegzug der Randständigen und dank dem Engagement des Vereins Spieltraum wurde das Image des Vögeligärtlis danach stark aufgewertet. Dabei konnte der Verein laut Fuhrimann auch stets auf die Unterstützung der umliegenden Geschäfte zählen. Diese setzten sich mit einer Interessengemeinschaft ebenfalls für die Aufwertung des Vögeligärtlis ein.

So wurde der Park innert weniger Jahre zu einem der beliebtesten Erholungsräume in der Stadt Luzern. Vergessen sind die Zeiten, in denen hinter vorgehaltener Hand über das Vögeligärtli gelästert wurde. Seinen Namen verdankt der Platz übrigens einer Voliere, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hier eingerichtet wurde.

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch


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