Ein Luzerner auf Reisen

VERKEHR ⋅ Die Doppelgelenktrolleybusse der VBL wurden bereits in mehreren Städten getestet. Entwickelt sich das Fahrzeug zum Exportschlager?
09. November 2017, 00:00

Nein, die Linie 1 wurde nicht nach Lausanne verlängert. Auf dem Bild ist zwar ein VBL-Doppelgelenktrolleybus in der Hauptstadt des Kantons Waadt zu sehen. Die dortigen Verkehrsbetriebe haben das rund 25 Meter lange Fahrzeug mit Platz für 220 Fahrgäste aber nur getestet.

Lausanne ist kein Einzelfall. Auch die Verkehrsbetriebe von Lyon (Ausgabe vom 3. Juli 2016) und Bern haben bereits einen Doppelgelenktrolleybus ausgeliehen. Derzeit befindet sich einer in Salzburg – dort wird er von den Verkehrsbetrieben Salzburg AG als «Mega-Obus» bezeichnet, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Der Test in Österreich dauert noch bis am 10. Dezember. Transportiert werden die Busse übrigens auf einem Lastwagen.

«Zum Fahrplanwechsel wird der Bus wieder in Luzern zurück sein», sagt VBL-Sprecher Christian Bertschi. Dann werden nämlich auf der Linie 8 nur noch Doppelgelenktrolleys unterwegs sein. «Grundsätzlich haben wir keine überzähligen Busse, aber eine betriebliche Reserve ist notwendig, falls mal ein Bus eine Panne hat oder wenn eine Revision ansteht.» Die ersten Doppelgelenkbusse haben die VBL übrigens bereits 2006 beschafft. Nach Lyon, Bern, Lausanne und Salzburg wurden aber Fahrzeuge der neuen Generation mit Baujahr ab 2014 verfrachtet. Dabei handelt es sich um jene Busse, die wie Trams aussehen. Diese wurden von der Firma Hess in Bellach SO eigens für die VBL entwickelt und kosten rund 1,2 Millionen Franken pro Stück. Insgesamt verfügen die VBL inzwischen über 29 Doppelgelenktrolleybusse.

Ab 2018 fahren die Busse auch in Bern

Und wie kommen die grossen Gefährte in den anderen Städten an? In Bern offensichtlich gut. Die dortigen Verkehrsbetriebe haben bereits sieben Doppelgelenktrolleybusse gekauft – und zwar schon, bevor der VBL-Bus in Bern getestet wurde. «Die Testfahrten waren nötig, um zu sehen, an welchen Haltestellen bauliche Anpassungen wie etwa eine Verlängerung der Haltekanten nötig sind», sagt Rolf Meyer, Mediensprecher von Bernmobil. Die Busse werden in einem Jahr geliefert und dann auf der Linie 20 von Bahnhof Wankdorf nach Wabern eingesetzt. «Diese ist zu Hauptverkehrszeiten überlastet», sagt Meyer. Da die Busse bereits im Zwei-Minuten-Takt fahren, sei es nicht möglich, die Frequenzen zu erhöhen. «Daher sind grössere Busse nötig.»

Auch in Lausanne seien die Testfahrten zufriedenstellend verlaufen, wie es auf Anfrage heisst. Die Transports publics de la région lausannoise werden ebenfalls Doppelgelenktrolleybusse kaufen. Es sei aber noch offen, ob es sich um denselben Typ wie in Luzern oder um eine andere Marke handeln werde. 2018 werde man eine öffentliche Ausschreibung durchführen. Die Verkehrsbetriebe der Region Lyon konnten gestern keine Stellung nehmen. In Salzburg läuft der Test noch, daher sei es noch zu früh für ein Fazit, heisst es bei der Salzburg AG auf Anfrage.

Übrigens stossen die Busse nicht nur in den oben erwähnten Städten auf Interesse. «Es haben uns Vertreter von Verkehrsbetrieben aus ganz Europa besucht, um sich die Busse anzusehen», sagt VBL-Sprecher Bertschi.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch


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