Ein Urgestein verabschiedet sich

MONSTERCORSO ⋅ Jahrein, jahraus ist Lorenz Fischer mitgelaufen, erstmals 1959 mit der Lozärner Dörflimusig, dann mit der Metallharmonie Chnobliwil und zuletzt mit den «Boheme». Gestern war es seine letzte Runde.
14. Februar 2018, 00:00

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

«Einen Rücktritt vom Rücktritt gibt es nicht», sagt Lorenz Fischer. Damit meint er seinen endgültigen Entscheid, dieses Jahr zum letzten Mal am Monstercorso mitzumachen. «Ich will ja nicht, dass es noch heisst, den alten Knochen muss man wohl noch zu Tode schlagen, damit er aufhört.»

Lorenz Fischer, einst Fotograf beim «Vaterland» und ehemaliger Fotochef der «Luzerner Zeitung», ist knapp 83Jahre alt und wohl der älteste Trompeter am Monstercorso. Genau weiss man das nicht, denn registriert werden nur die Guuggenmusigen als Ganzes und nicht die Guugger unter der Maske. Fakt aber ist, dass Fischer der letzte noch lebende Mitbegründer der «Vereinigte» ist.

Erstmals lief Fischer im Jahr 1959 am Monstercorso mit der Lozärner Dörflimusig vom Maihof. «Damals nannte man das Quartier nämlich auch Dörfli.» Der Name habe ihm aber nicht besonders gefallen, er sei zu fern von der Fasnacht. Und weil er nicht nur deren Trompeter, sondern auch gleich Chef war, hat er sie 1972 in «Lozärner Häxe» umgetauft.

Seit 2002 ist er bei der Boheme Musig Lozärn

Im Jahr 1986 schloss sich Fischer der Metallharmonie Chnobliwil an, klein aber fein sei diese Formation gewesen: sieben Männer, eine Frau und ein Fähnrich. Als sich diese jedoch auflöste, wechselte er 2002 zur Boheme Musig Lozärn. Mit dieser drehte er gestern die Schlussrunde. Ab nächstem Jahr ist er «nur» noch Zuschauer. Erkennbar war Lorenz Fischer dieses Jahr an seinem Zeitungshut.

Und was waren für Lorenz Fischer die fasnächtlichen Highlights der letzten knapp 60 Jahre? «Als erst wenige mitliefen, hatten wir Auflösung auf dem Mühlenplatz und dort noch gemeinsam geschränzt. Das ist heute nicht mehr möglich, da zu viele am Monstercorso laufen», erinnert er sich.

«Was hat das denn mit Fasnacht zu tun?»

Ein Dorn im Auge ist dem Urgestein jedoch die Luzerner Bahnhofstrasse während der Fasnacht. Lorenz Fischer: «Viele, die dort ihre Wagen abstellen, musizieren gar nicht. Sie lassen aus den Lautsprechern einfach nur Musik dröhnen, verkaufen Getränke und kassieren. Das ist alles. Was hat das denn mit Fasnacht zu tun?»


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