Eltern müssen selber zahlen

BETREUUNG ⋅ Die Stadt übernimmt die Kosten für ausserschulische Betreuung nicht, obwohl sie Plätze zur Verfügung stellen müsste.
01. Dezember 2017, 00:00

Die Stadt Luzern hat knapp nicht genügend Hortplätze für die Betreuung von Schulkindern ausserhalb der Unterrichtszeiten. Letztes Jahr konnten 16 Kinder, die sich angemeldet hatten, nicht berücksichtigt werden. Daran stören sich Grüne und SP, die mit einer Motion forderten, dass Familien, die wegen fehlender Hortplätze auf Kitas ausweichen müssen, entschädigt werden. Konkret soll die Stadt die Betreuungskos- ten übernehmen (Ausgabe vom 24.November). Der Stadtrat lehnte die Motion ab, der administrative Aufwand dafür sei zu gross. Zudem sei man ja daran, das bestehende Angebot auszubauen. Kurzfristig ein parallel laufendes System zu schaffen, sei ressourcentechnisch nicht sinnvoll.

An seiner gestrigen Sitzung folgte ein Grossteil des Parlaments der Argumentation des Stadtrats: Wegen Opposition von FDP, SVP, CVP und GLP wurde die Motion abgelehnt. Daran änderten auch die leidenschaftlichen Voten der Motionäre nichts.

Motionärinnen geht es um Gleichbehandlung

Motionärin Noëlle Bucher (Grüne) argumentierte, dass viele Eltern ihr Arbeitspensum beim Schuleintritt der Kinder nicht aufstocken können, wenn die Hortplätze nicht gewährleistet sind. «Eltern, welche die Betreuung ihrer Kinder privat organisieren, verfügen auch über ein entsprechendes Netzwerk. Das sind oft auch jene, die genügend Geld für einen privaten Hort hätten. Doch was ist mit jenen, die diese Optionen nicht haben? Sie dürfen nicht benachteiligt werden», so Bucher. Luzia Vetterli (SP), ebenfalls Motionärin, doppelte nach, dass die Stadt gesetzlich in der Pflicht sei und alle Kinder Anspruch auf einen Hortplatz hätten. Es gehe dabei um Fairness: «Warum sollten nicht alle Familien gleich behandelt werden? Es gibt viele Familien, für die Kosten nicht zweitrangig sind.»

Sandra Felder (FDP) hielt dagegen, dass die Betreuungskosten grundsätzlich abnähmen, wenn die Kinder in die Schule kämen. «Kinder, für die keine Betreuung gefunden wird, die sich die Eltern leisten können, sind eine grosse Ausnahme.» Die GLP wollte derweil die Motion nicht unterstützen, weil sie lieber gleich die von ihr geforderten Tagesschulen einrichten würde. «Wir wollen keine Pflästerlipolitik», so Stefan Sägesser (GLP).

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch


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