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Fasnacht: Frust statt Lust

13. Februar 2018, 00:00

Morgen ist die Fasnacht vorbei – endlich! Glauben Sie mir: Für Journalisten ist die fünfte Jahreszeit alles andere als lustig. Zwar gehe ich privat sehr gern an die Fasnacht. Verkleidet, leicht beschwipst und ausgelassen feiern – was gibt es Besseres?

Seit ich aber das närrische Treiben journalistisch begleite, ist es mir verleidet. Da ist der ärgerliche Umstand, dass man arbeiten muss, während andere eine rüüdig gute Zeit haben. Monatelange Planung, bis zu zehn Fasnachtsseiten pro Ausgabe und permanente Online-Updates von frühmorgens bis spätabends – das macht einen auf Dauer so fertig, dass man nach Feierabend weder Lust noch Energie hat, um sich privat unters Volk zu mischen.

Dann gibt es da noch gewisse «Tüpflischisser» unter den traditionalistischen Fasnachtsakteuren, welche die Narrenzeit besonders ernst nehmen. Bei Unkorrektheiten verstehen sie keinen Spass. Krienser Wöschwiib oder Bärnerwiib? Hauptsache, Wiib! Guuggenmusigen spielen ja auch manchmal falsch. Daneben ist es unmöglich, pünktlich zum Spätdienst zu erscheinen, wenn man während des Wey-Umzugs verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, die Strasse zu überqueren. Vor allem, wenn man stattdessen lieber bleiben würde.

Hat man zudem das (Un-)Glück, als Reporter an die Fasnacht zu gehen, ist man zum objektiven Zuschauen und einigermassen Nüchternbleiben verdammt. In der Regel wird man dabei auch noch Opfer einer Konfetti-Dusche – als Unverkleideter ist man natürlich ein gefundenes Fressen. So ist der einzige Lohn, den ein Reporter von der Fasnacht mitnimmt, eine von Konfetti verstopfte Tastatur.

Vielleicht mache ich es doch irgendwann einmal wie unser Chef, der Huerenaff: Er nimmt an der Fasnacht frei.

Improvisatrice Lucernensis

stadt@luzernerzeitung.ch


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