Firmenchefs umgarnen Eltern

BERUFSWAHL ⋅ An der Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi, die bis am Sonntag auf der Luzerner Allmend stattfindet, preisen Wirtschaftsvertreter die Vorteile der Berufslehre an. Zielgruppe sind jedoch nicht die Jugendlichen selbst.
10. November 2017, 00:00

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Die Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi hat gestern in der Messe Luzern ihre Tore geöffnet. Für Tausende von Schülerinnen und Schülern, die bald die Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen müssen, steht in diesen Tagen deshalb ein Besuch auf dem Programm. Sie können sich dort über Aus- und Weiterbildungen von über 160 Berufsverbänden, Schulen und Unternehmen informieren, welche sich noch bis Sonntag präsentieren.

Zum riesigen Angebot gesellt sich dieses Jahr ausserdem etwas Neues: «Mit CEOs an der Zebi» heisst eine Führung, die den dualen Bildungsweg fördern und Interessierten einen Einblick in die hiesige Bildungslandschaft geben soll. Die Firmenchefs, die den einstündigen Rundgang jeweils einmal leiten, sind nämlich selbst Paradebeispiele eines solchen Werdegangs, der kein klassisches Vollzeitstudium beinhaltet. Es handelt sich um Brigitte Breisacher (Geschäftsführerin Alpnach-Norm-Schrankelemente), Daniel Salzmann (Geschäftsführer Luzerner Kantonalbank), Stefan Schulthess (Direktor Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees) und Kurt Bucher (Direktor Human Resources Pilatus Flugzeugwerke). Organisiert wird die Führung von der Stiftung FH Schweiz. FH Schweiz ist der nationale Dachverband der Absolventen aller Fachhochschulen.

«Bildungssystem ist so durchlässig wie nie zuvor»

Das Spezielle am neuen Angebot ist, dass es sich nicht an die angehenden Lehrlinge selbst richtet, sondern primär an deren Eltern. «Eltern haben einen entscheidenden Einfluss bei der Wahl des Ausbildungswegs», erklärte gestern Toni Schmid, Geschäftsführer von FH Schweiz. «Wir stellen fest, dass viele noch heute die sehr breite Berufsbildung kaum kennen. Dabei ist das Bildungssystem heute so durchlässig wie nie zuvor. Nach einer Lehre stehen einem alle Türen offen.»

Beim gestrigen Augenschein vor Ort versammelten sich denn auch rund ein Dutzend Erwachsene um Kurt Bucher von den Pilatus-Flugzeugwerken, der das Angebot lancieren durfte. Viele Eltern waren allerdings nicht darunter. Vielmehr liessen es sich ehemalige Fachhochschulabsolventen nicht nehmen, die neue Führung mitzumachen. «Nicht nur Eltern haben auf die Berufswahl von Jugendlichen einen Einfluss», meinte Kurt Bucher dazu. Er führte die Gruppe während des Rundgangs zu sechs Ständen, darunter etwa jene der Hochschule Luzern, Swiss Skills, Roche – und natürlich der Pilatus-Flugzeugwerke. Dort wurde den Teilnehmern beispielsweise das Schweizer Bildungssystem erklärt. Bucher betonte dabei die Bedeutung der Praxis: «Berufspraktiker haben auch heute noch eine wichtige Funktion – das sehen wir in unserer Branche täglich.» Nicht ohne Grund würden die Pilatus-Flugzeugwerke ab nächstem Jahr um die 130 Lernende beschäftigen. Kurt Bucher war selbst nicht immer in der gleichen Branche tätig. Seinen Berufsweg startete er mit einer Hotelfachschule, später studierte er Personalmanagement.

Image der Berufslehre muss besser werden

Mit der neuen Führung erhofft sich FH Schweiz, dass starke Schulabgänger vermehrt für die Berufslehre gewonnen werden können. «Die Firmen haben teilweise Mühe, passende Schulabgänger für ihre Lehrstellen zu finden, obwohl die Berufsaussichten danach sehr gut sind», sagte Toni Schmid. So würden Eltern und Lehrer noch immer häufig die Meinung vertreten: Wer gute Noten hat, gehört aufs Gymnasium.

Den akademischen Weg will Schmid aber nicht verteufeln: «Ein Unistudium ist volkswirtschaftlich gesehen für viele der richtige Weg. Der Arbeitsmarkt braucht auch sie», sagt er. «Wichtig ist, dass die Jugendlichen die verschiedenen Möglichkeiten kennen und so den Weg wählen, der am besten zu ihnen passt.»

Hinweis

Die Zebi findet bis Sonntag in der Messe Luzern statt. Die Führung startet täglich jeweils um 14 Uhr.


Leserkommentare

Anzeige: