Führungsmodell auf dem Prüfstand

Malters Die Verwaltung muss sich weiterentwickeln, da herrscht Konsens. Doch wie soll dies geschehen?
16. Juni 2017, 00:00

Soll die Gemeinde Malters neu organisiert werden? Diese Frage warf die Interessengemeinschaft Malters auf. Am Dienstagabend stellte der Gemeinderat im Rahmen einer Informationsveranstaltung verschiedene Gemeindeführungsmodelle vor. Er reagierte damit auf eine Petition der Interessengemeinschaft Malters und der SVP, die vom Gemeinderat die Prüfung neuer Führungsmodelle verlangten.

Hintergrund ist das neue Gemeindegesetz von 2005, das Gemeinden mehr Autonomie gewährt. Um diesem Gesetz zu entsprechen, mussten die Luzerner Kommunen neue Gemeindeordnungen aufstellen. In Malters sah diese eine Kompetenzenverlagerung vom Gemeinderat an die Verwaltung vor. So wurden die Gemeinderatsgeschäfte um 40 Prozent reduziert, die Rolle der Schulleitung und der Verwaltung des Alterswohnheims gestärkt und die Kanzlei reorganisiert.

Der IGM reichten diese Schritte nicht aus. Eine Überprüfung der Führungsstruktur sei angebracht. Anita Ottiger von der IGM sagt: «Wir sehen, wie sich die Welt um uns herum entwickelt. Die Aufgaben verändern sich, andere Gemeinden reagieren mit neuen Führungsmodellen. Wir sind der Meinung, dass man diese Option auch in Malters zumindest prüfen sollte.»

Die Information erfolgte durch Personal- und Organisationsberater Bruno Christen. Er hat organisatorische Prozesse von Gemeinden in der ganzen Schweiz begleitet. In Malters stellte er nicht nur verschiedene Führungsmodelle vor, sondern beleuchtete auch die Hinter­gründe einer Reorganisation. Er mahnte zu einem bedachten Vorgehen: «Die Strategie bestimmt die Struktur.» Zuerst müsse man über Probleme in der Gemeinde reden, die Ziele festlegen und dann ein passendes Führungsmodell wählen. Typische Faktoren, die eine Veränderung nahelegen, seien Schwierigkeiten bei der Suche nach Gemeinderatsmitgliedern, unklare Aufgabenzuteilungen, grosse Fluktuation in der Verwaltung oder Überforderung der Amtsinhaber.

Gemeinderat vertritt klare Meinung

Die Veranstaltung zeigte zwei Punkte auf: Erstens ist das Interesse an der Thematik überschaubar. Von den 7000 Einwohnern kamen rund 40 in den Gemeindesaal. Zweitens sind die Vorstellungen sehr vage. Konkrete Vorschläge kamen nicht zur Sprache – auch nicht von den Parteien oder der IGM. Stattdessen wurde die Anwesenheit des Experten genutzt, um ein breites Spektrum von Aspekten einer Reorganisation zu beleuchten. Zur Sprache kamen die Grösse des Gemeinderates, dessen Arbeitspensum oder die hierarchische Struktur in der Verwaltung.

Klar formuliert wurde die Meinung des Gemeinderats. Gemeindepräsidentin Sibylle Boos-Braun konstatierte: «Wir sind auf dem richtigen Weg. Optimierungen finden statt, aber dafür braucht es keinen Systemwechsel.» Vorläufig sind keine weiteren Schritte geplant – auch bei der IGM nicht. Anita Ottiger: «Wir wollten die Bevölkerung informieren, das ist gelungen.»

Manuel Burkard

region@luzernerzeitung.ch


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