Horte sollen in Schulräume ausweichen

KRIENS ⋅ Die Gemeinde will mit der Übernahme der schulergänzenden Betreuung diese stärker in den Unterricht integrieren. So könne allenfalls gar auf Ausbauten verzichtet werden.
13. Februar 2018, 00:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Die Zeit drängt. Schon ab kommendem Sommer übernimmt die Volksschule die Kinderhorte vom Gemeinnützigen Frauenverein Kriens (GFV). Nun zeigt der Gemeinderat in einem Bericht und Antrag an den Einwohnerrat auf, welche Auswirkungen der Wechsel haben wird.

Grundsätzlich soll die schulergänzende Betreuung viel stärker in die Schule integriert werden – wogegen sich der GFV stets gewehrt hat. So werden die Krienser Horte künftig vermehrt Schulräume nutzen und umgekehrt. Dadurch könne wahrscheinlich auf «angedachte Horterweiterungen» im Meiersmatt oder Roggern verzichtet werden. Der geplante Hort Brunnmatt dagegen soll wie vorgesehen im Sommer eröffnet werden.

«Das Ziel ist, vorhandene Kapazitäten besser zu nutzen», sagt Bildungsvorsteherin Judith Lu­thiger (SP). «Weiter soll die Möglichkeit bestehen, dass Kinder während der Betreuung freiwil­lige Angebote wie Musik oder Schulsport besuchen können.» Das heisse nicht, dass es in den Schulhäusern enger werden soll. «Wir werden die kantonalen Richtlinien weiterhin einhalten. Bei künftigen Umbauten wollen wir auf separate Annex-Hortbauten verzichten und stattdessen die nötigen Räume innerhalb der Schulbauten einplanen.»

Schulische Themen auf spielerische Art vermitteln

Auch personell und ideell sollen Horte und Schulen enger zusammenarbeiten. «Eine Idee wäre, dass Betreuungspersonen zugleich als Klassenassistenzen arbeiten», sagt Luthiger. «Davon würden auch die Kinder profitieren. Sie erhalten keine zusätzliche Bezugsperson, das vermittelt ihnen mehr Sicherheit und Kontinuität.» Weiter sollen in Schule und Hort gemeinsame Werte und eine einheitliche Pädagogik vermittelt werden. Eine Möglichkeit sei etwa, ein schulisches Thema im Hort ebenfalls zu thematisieren – aber auf spielerische Art. Eine «Verschulung der Betreuungszeit» wolle man bewusst vermeiden. Ebenfalls angedacht seien gemeinsame Weiterbildungen von Lehrern und Betreuern.

Wie genau diese engere Zusammenarbeit umgesetzt wird, sei noch offen. «Für den Start im Sommer wollen wir vorerst die bestehenden Strukturen übernehmen und dann gemeinsam mit den Angestellten die Weiterentwicklung angehen.» Auch die bisherigen Räumlichkeiten werden übernommen. Das Ziel der Gemeinde ist weiter, möglichst viele Hortangestellte zu den bisherigen Bedingungen anzustellen. «Wir sind zuversichtlich, dass die grosse Mehrheit Interesse an einer Weiterbeschäftigung hat», sagt Luthiger.

15000 Franken Mehrkosten für das laufende Jahr

Durch die Übernahme entstehen für das laufende Jahr Mehrkosten von rund 15000 Franken. Dies aufgrund von Anpassungen an das kantonale Lohnsystem der Volksschule und administrativer Aufwände. Der Einwohnerrat muss an seiner Sitzung vom 8.März die neuen Konti für die Tagesstrukturen noch bewilligen. «Das Ziel ist, dass die Übernahme ab 2019 kostenneutral wird», sagt Judith Luthiger. Dies wegen der erwähnten Synergien und dem geringeren administrativen Aufwand. Der GFV hat bisher rund 1Million Franken pro Jahr für die Führung der Krienser Horte erhalten.

Unabhängig von der Übernahme durch die Schule zu höheren Ausgaben führt dagegen der Ausbau der Hortplätze. Im laufenden Jahr sind es 77000 Franken für den Hort Brunnmatt. Ab 2019 sind weitere Kinderhorte geplant, über welche der Einwohnerrat noch entscheidet.

Für die Eltern werde sich durch den Systemwechsel kaum etwas ändern, sagt Luthiger. «Die Anmeldung wird einfacher, da sie nun zentral beim Rektorat erfolgt. Auch die Elterntarife bleiben gleich.» Eine Tariferhöhung sei vorerst nicht geplant. «Zuerst steht die Umsetzung des neuen pädagogischen Konzepts und der Synergien im Vordergrund.»

Die Schülerhorte sind bereits in den meisten Luzerner Gemeinden in die Volksschule integriert. In Kriens hat bis anhin der GFV diese Aufgabe im Auftrag der Gemeinde ausgeführt. Ende 2016 startete das Bildungsdepartement einen Prozess, um das Modell zu überprüfen. Dabei kam die Arbeitsgruppe zum Schluss, dass die Tagesstrukturen in die Schule integriert werden sollen. Andernfalls müssten die Leistungen ausgeschrieben werden. Damit war der GFV nicht einverstanden, auch eine Übergangsfrist von zwei Jahren lehnte der Verein ab. Man sei lange von der Gemeinde hingehalten worden, lautete damals die Kritik (Ausgabe vom 2. Dezember 2017).

Bildungsvorsteherin Kriens


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