Hündeler werden mit Anzeigen eingedeckt

CHURCHILL-QUAI ⋅ Obwohl die Freilaufzone offiziell erst ab Montag gilt, lassen Hundehalter ihre Tiere teils heute schon frei herumrennen. Das kommt sie teuer zu stehen.
12. Mai 2017, 00:00

Als Pilotversuch will die Stadt Luzern am Churchill-Quai eine Freilaufzone für Hunde einrichten. Auf einer definierten Fläche sollen dort ab Montag Hunde ohne Leine herumtollen dürfen. Mitte März kündigte die Stadt die Einrichtung der Freilaufzone an (Ausgabe vom 18. März). Sie sprach angesichts der 2000 Hunde, die in der Stadt gehalten werden, von einer pragmatischen Lösung und appellierte an die Toleranz aller Beteiligten.

Doch offenbar hat die Ankündigung der Freilaufzone das Gegenteil bewirkt. Seit Ende März waren mehrere Hundehalter von Privatpersonen angezeigt worden, weil sie ihre Vierbeiner am Churchill-Quai frei herumlaufen liessen. Der IG Hundewiese Luzern, in welcher sich die Hundehalter organisieren, sind mindestens vier Fälle bekannt. Fabian Martin, Sprecher der IG, sagt dazu: «Es macht den Eindruck, als würde nun mit allen Mitteln gekämpft. Wir konnten schon beobachten, wie Spaziergängerinnen lautstark Hundehalter drohten, sie anzuzeigen, wenn sie nicht sofort ihr Tier an die Leine nehmen würden.» Die Anzeigen werden auf der Facebookseite der IG Hundewiese scharf kritisiert. Ein User schreibt dort: «Seit 40 Jahren benützen Hündeler diese Wiese unangeleint. Dann müssten wir alle eine Busse er­halten.»

Geldstrafe von 370 Franken

Einer der Angezeigten hat Ende April einen Strafbefehl bekommen. Sein Widerhandeln gegen das Gesetz über das Halten von Hunden kostet ihn nun 370 Franken. 100 Franken beträgt die Busse, der Rest sind Verfahrenskosten. Die Staatsanwaltschaft begründet die Geldstrafe auch damit, dass «die von der Stadt geplante Hundefreilaufzone auf der Churchill-Quai-Wiese noch nicht umgesetzt ist».

Die Gegner der Hundewiese sind in der IG Churchill organisiert. Wollen sie ihrem Kampf gegen die Freilaufzone nun mit Anzeigen Nachdruck verleihen? Dazu IG-Sprecher Pascal Kalbermatten: «Im Namen der IG wurden keine Anzeigen gemacht. Wir sind für einen vernünftigen Konsens und für Sicherheit.» Die Mitglieder der IG seien zudem nicht grundsätzlich gegen eine Freilaufzone, forderten aber Anpassungen. «Die Zone muss durchgehend eingezäunt sein. Das würde die Situation wesentlich entspannen», so Kalbermatten.

Klage gegen Hundewiese steht noch aus

Der Pilotversuch, der nächsten Montag startet, ist auf zwei Jahre ausgelegt. «Wir haben die Wiese zweigeteilt. Der grössere Teil – vom See her rechts – ist weiterhin Spiel- und Liegewiese, der kleinere Teil – vom See her links – ist die neue Hundefreilaufzone», sagt Cornel Suter, Leiter der Stadtgärtnerei. Die Stadt habe eine Kompromisslösung geschaffen, welche die Bedürfnisse aller Wiesenbenutzer unter einen Hut bringt, so Suter. Zudem werden sechs 1,8 Meter hohe Informa­tionsstelen aufgestellt und die Hundefreilaufzone teilweise mit Hecken abgegrenzt.

Für die Gegner ist die geplante Freilaufzone illegal. Sie wollen mit einer Klage ans Kantonsgericht gelangen, wie IG-Sprecher Pascal Kalbermatten gegenüber unserer Zeitung bereits Anfang April sagte. Zur Klage beim Kantonsgericht kam es bisher noch nicht. Dies, weil die Stadt keine Verfügung erlassen habe, die angefochten werden könnte, und auch noch keine Schilder aufgestellt habe, erklärt Kalbermatten. Sobald dies geschieht, will die IG Churchill aktiv werden.

Cornel Suter schliesst nicht aus, dass es weiterhin Anzeigen wegen Verstösse gegen die Hundeverordnung gibt: «In diesem Fall wird dann in einem ersten Schritt die Staatsanwaltschaft im Einzelfall entscheiden.»

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

«Es macht den Eindruck, als würde nun mit allen Mitteln gekämpft.»

Fabian Martin

IG Hundewiese Luzern


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