Klostergarten-Neubau landet vor Gericht

WESEMLIN ⋅ Die Kapuziner wollen den Erhalt ihres Klosters mit einem Wohnhaus auf dem Anwesen sichern. Doch Beschwerden führen zu Verzögerungen und Mehrkosten.
12. Februar 2018, 00:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Eigentlich liegt die Baubewilligung schon fast seit einem Jahr vor. Am 6. März 2017 hat die Stadt Luzern grünes Licht gegeben für das Neubauprojekt «Francesco» im Garten des Klosters Wesemlin und damit alle Einsprachen abgewiesen. Dennoch ist nach wie vor unklar, wann die Bauarbeiten für das sechsstöckige Gebäude mit 30 Wohnungen beginnen. Denn die Einsprecher geben noch nicht auf. Sie haben beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Entscheid der Stadt eingereicht.

Unter den Beschwerdeführern befindet sich neben Anwohnern auch die Stiftung Archicultura für Orts- und Landschaftsbildpflege mit Sitz in Luzern. In einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, argumentieren sie, dass das Projekt unvereinbar sei mit dem Denkmalschutz und dass es sich nicht in das Quartier und das Ortsbild einfüge. Die bestehenden Bauten würden «erdrückt». Die Klosteranlage ist weiter im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (Isos) mit dem höchsten Erhaltungsziel A verzeichnet. Grundsätzlich seien damit Neubauten unzulässig.

Denkmalpflege begleitete das Projekt

Die Beschwerdeführer würden unter anderem drei Fakten unterschlagen, sagt dagegen Urs Steger, Unternehmensberater und Präsident der Baukommission «Wohnen im Kapuzinergarten», die das Projekt im Auftrag des Kapuzinerklosters plant: «Erstens wird der denkmalgeschützte Teil des Klosters mit dem räumlichen Abrücken des Neubaus vom Bestand gestärkt. Zwischen Neubau und Bestand entsteht eine grosse parkähnliche Fläche mit den erhaltenswerten Schuppen dazwischen.»

Zweitens führe nichts mehr am verdichteten Bauen vorbei, und drittens habe das Projekt von allen jurierten Vorschlägen «den kleinsten Fussabdruck und leistet damit den grössten Beitrag zur Flächenerhaltung des Klostergartens». Die kantonale Denkmalpflege habe das Projekt begleitet. Diese bestätigt auf Anfrage, dass sie sich im Bewilligungs- und im Beschwerdeverfahren zum Neubau geäussert hat. Aufgrund des laufenden Verfahrens nimmt sie aber keine Stellung.

Die Verzögerung komme zu einem unglücklichen Zeitpunkt. «Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Finanzmärkte ist davon auszugehen, dass die Zinsen mittelfristig ansteigen werden. Das verteuert die Finanzierung des Projekts durch Bankkredite», sagt Steger. «Der höhere Hypothekarzins dürfte sich letztendlich auf die Mietzinsen auswirken.» Wie hoch die Mieten sein werden, sei noch offen. «Sie werden aber nicht allzu tief, sondern quartierüblich sein.»

Mit den erwarteten Einnahmen aus der Vermietung der neuen Wohnungen sollen der Betrieb und der Erhalt der Klosteranlage gesichert werden. «Die Zahl der Kapuziner nimmt ab, die meisten haben zudem ein hohes Alter erreicht, sodass sie die Anlage und den Klosterbetrieb nicht mehr alleine bewirtschaften können», sagt Steger. Dafür müsse externes, bezahltes Personal eingestellt werden.

In den meisten Fällen Alterswohnungen

Bereits vermietet sind die zehn Studios im bestehenden Klostergebäude. Deren Bewohner pflegen ein «klosternahes Wohnen». Das heisst, sie nehmen teilweise am klösterlichen Leben teil, ohne Mitglied bei den Kapuzinern zu sein. Bei den Bewohnern des Neubaus ist das nicht vorgesehen. «Wenn sich aber jemand zum Beispiel an der Bewirtschaftung des Gartens beteiligen will, ist das durchaus willkommen», sagt Urs Steger.

Im Neubau sind 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen vorgesehen, bei den meisten handle es sich um Alterswohnungen. Im Untergeschoss ist ein Parkhaus mit rund 30 Plätzen geplant. Zu den Investitionskosten macht Steger keine genauen Angaben. Sie würden sich im «zweistelligen Millionenbereich» bewegen.

Beim Projekt Francesco handelt es sich um einen Holzbau, entworfen vom Luzerner Büro Marques Architekten (Ausgabe vom 12. Juni 2015). Dieses war mit dem Architekturbüro Iwan Bühler auch für die Gütschbahn und die Swissporarena verantwortlich. Im Wesemlin hätten die Bauarbeiten ursprünglich im Frühling 2017 starten sollen.

Präsident der Baukommission «Wohnen im Kapuzinergarten»


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