Luxuswohnung statt Hotel?

LOGIERNÄCHTE ⋅ Geschäftsreisende übernachten in Luzern zunehmend in sogenannten Business-Appartements. Kritiker befürchten, dass dieser Trend generell zu höheren Mietzinsen führt.
30. November 2017, 00:00

Mirjam Strässle

stadt@luzernerzeitung.ch

Touristen buchen immer häufiger Privatwohnungen über Onlineportale wie Airbnb. Dasselbe Phänomen zeigt sich auch bei Geschäftsreisenden: Oft ziehen diese sogenannte «Business-Appartements» dem klassischen Hotelzimmer vor. Da die Kundschaft meist zahlungskräftig ist, weisen die Wohnungen in der Regel ­einen gehobenen Standard auf.

Auch die Stadt Luzern wird zunehmend zu einem interessanten Markt für Anbieter solcher Appartements. Vor kurzem ist mit der Zürcher Firma Le Bijou ein weiterer Anbieter dazugestossen mit insgesamt drei Wohnungen an der Löwenstrasse und an der St.-Leodegar-Strasse. Diese sind mit einer Art digitalem Butler ausgestattet. Über eine App kann man sich nach Bedarf einen privaten Chauffeur, einen Koch für ein privates Dinner oder ein Kindermädchen bestellen. Auch Putz- und Wäscheservices werden angeboten. Le Bijou betreibt ausser in Luzern auch Luxusappartements in Zürich, Basel, Bern und Zug.

In Luzern sind viele Asiaten unter den Kunden

Gegründet wurde die Firma von Madeleine Fallegger, Alexander Hübner und Renato Steiner. Die Idee dazu kam den Unternehmern, als sie selber auf Reisen waren. Während dieser Zeit hätten sie jeweils ihre Wohnungen vermietet. Wer sind überhaupt die Kunden, die solche Angebote in Anspruch nehmen? In Luzern kämen auffällig viele Asiaten, sagt Madeleine Fallegger. «Sonst ist unser Publikum gut durchmischt. Von Geschäftsreisenden bis Familien.»

Luxusappartements wie diejenigen von Le Bijou sind in der Schweiz also keine Seltenheit mehr. Für den Luzerner SP-Grossstadtrat Mario Stübi stellt der Trend allerdings eine Gefahr für die Hotellerie dar. Er hat deshalb im letzten Jahr eine Interpellation zum Thema Business-Appartements eingereicht. «Solche Appartements sollten eigentlich von Hotels angeboten werden. Diese haben den Trend aber verschlafen», meint er.

Für die Eigentümer von Le Bijou ist die aktuelle Entwicklung denn auch eine logische Konsequenz – denn die Hotellerie baue auf einem veralteten Modell auf. «Früher gab es noch kein Internet. Man war froh, ein Restaurant im Hotel zu haben oder einen Concierge, der einem den Weg erklärt», sagt Hübner. Doch nicht nur die klassische Hotellerie würde von solchen Angeboten bedrängt. Business-Appartements belegten auch Wohnraum, der dann für Einheimische nicht mehr zur Verfügung stehe.

Quartierüblicher Preis steigt

«Als möblierte Luxusappartements lassen sich die Wohnungen zu einem überrissenen Mietpreis anbieten», sagt Mario Stübi. Dies wiederum habe Folgen für das allgemeine Mietzinsniveau im Quartier: «Wenn ein Hauseigentümer seine Wohnungsmiete erhöhen will, kann er sich am quartierüblichen Preis von Luxusappartements orientieren. Das treibt die Mieten für alle in die Höhe», sagt Mario Stübi (siehe auch Aus­gabe vom 21. August).

Bei Le Bijou hingegen glaubt man nicht an einen Zusammenhang zwischen Business-Appartements und allgemeinen Mietpreisen: «Wir bewegen uns in zentralen Lagen, wo die Mieten relativ hoch sind und konkurrieren somit nicht mit dem Durchschnittsbürger», sagt Alexander Hübner. Teilweise würden sie ­sogar Anfragen von Vermietern erhalten, die froh seien, wenn Le Bijou ihre Appartements längerfristig miete. «In Luzern haben wir beispielsweise eine Wohnung übernommen, die fast zwei Jahre leer gestanden hat», sagt Madeleine Fallegger.

In der Stadt Luzern machen Business-Appartements etwa 0,5 Prozent des Wohnungsangebotes aus. Das schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf die erwähnte Interpellation von Mario Stübi. Die Appartements befänden sich meist an zentralen Lagen.

Eine Art Hotspot für Business-Appartements scheint das Hofquartier rund um den Löwenplatz zu sein. Neben Le Bijou sind dort diverse andere Anbieter von Business-Appartements aktiv. Auch die Hochhäuser auf der Allmend beherbergen mehrere Wohnungen für Geschäftsleute auf Zeit. Die Preise sind jeweils vergleichbar mit Hotelzimmern mit entsprechender Grösse oder Ausstattung.


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