Luzerner Monster-Manufaktur

KULT-UR ⋅ Wer hier mitmacht, muss Fasnacht im Blut haben: Seit 25 Jahren kämpfen die Kult-Ur-Fasnächtler gegen Billigkostüme aus Fernost an – mit grossem Aufwand und gfürchigen Sujets.
13. Februar 2018, 00:00

Es raucht, es dröhnt, es wird gezogen und geschoben: Der Auftritt der Kult-Ur-Fasnächtler ist angesagt. Das Publikum ist begeistert, es fehlt nicht an Superlativen. Der Rüüdig Samschtig ist einer der grossen Tage für diese Fasnachtsgruppe. Dann, wenn die Stadt Luzern quasi umzugsfrei ist, ziehen die Kult-Ur-Fasnächtler am Nachmittag durch die Altstadt. Start ist beim Bourbaki und Ziel in ihrer Fasnachtsheimat auf dem Weinmarkt.

Entstanden ist die Gruppe 1993 aus dem Bedürfnis, die Lozärner Fasnacht in ihrer urtümlichen Bedeutung zu erhalten. Fern von Wollmützli, bemalten Köpfen und Plüschtierchen. Mit mehr oder minder 15 Wagenbaugruppen aus der Stadt und der Agglomeration sorgen sie jedes Jahr für Furore. Wer hier dabei ist, darf keinen Aufwand scheuen und braucht eine gehörige Portion Leidenschaft. Denn der Wagen- wie Maskenbau fordert Hunderte von Arbeitsstunden, viel Liebe zum Detail und Wagen, sondern auch die Macher zusammen. Sie laufen am Fritschi- oder am Weyumzug und in der Agglomeration. Waren die Sujets zu Beginn eher gfürchig, archaisch mit viel Rauch und Nebel, Ketten und Motoren unterwegs, so hat sich mit den Jahren auch eine bunte Leichtigkeit sowohl im Outfit wie auch musikalisch eingeschlichen. Bestes Beispiel sind heuer die Nekraxas mit den smarten Glaceverkäufern, ihren pastell-bunten Gelatiwagen und italienischem Schmelzgesang.

Direkt vom Bauplaneten sind die Peramicus mit ihrer Space Mining Corporation eingeflogen. Die Wagenbaugruppe aus Ebikon ist das dritte Mal bei den Kult-Ur-Fasnächtlern dabei und besteht aus zehn jungen Männern. Sie haben sich – der Mall sei Dank – ganz dem Bauwahn verschrieben. Mit dreckverschmierten Grenden, überdimensionierter Greifzange und ebensolchen Bohrmaschinen lehren sie die Zuschauer das Fürchten.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch


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