Luzerner wollen den Solarstrom fördern

GRÜNDUNG ⋅ Weg vom Atomstrom, hin zur Sonnenenergie. Dieses Ziel verfolgen neun Luzerner und gründen eine Genossenschaft, um den Bau von Solaranlagen zu forcieren. Ein erstes Projekt haben sie bereits ausgewählt.
07. Oktober 2017, 00:00

Sie wollen die Energiewende ­vorantreiben, die Produktion von Solarstrom forcieren und etwas für die Allgemeinheit tun: Neun Luzerner haben sich zusammengeschlossen und vor wenigen ­Tagen die Energiegenossenschaft Luzern gegründet. Einer davon ist der Stadtluzerner Marc Weibel, selbstständiger Finanzberater – und Genossenschafter der ersten Stunde.

Im Moment hat er alle Hände voll zu tun: «Wir alle arbeiten in einem sehr hohen Tempo. Das erste Treffen fand vor etwa vier Wochen statt, jetzt sind wir schon mitten in der Suche nach unseren Genossenschaftern.» Genossenschafter kann werden, wer sich mit einem Beitrag von mindestens 1000 Franken an der Organisation beteiligt. Gedacht ist die Genossenschaft für alle, welche alternative Energieformen unterstützen möchten, selber aber ­keine eigene Anlage auf ihrem Heim montieren können – sei es, weil sie in einem Block wohnen oder nicht Hauseigentümer sind. «Unsere Organisation soll die Energien und die Gelder unserer Unterstützer bündeln, damit sie effizient eingesetzt werden können», erklärt Weibel.

Aufs Turnhallendach soll eine Solaranlage

Damit das passieren kann, will die Genossenschaft in Zukunft diverse Projekte finanzieren und realisieren. Das erste Projekt haben die Verantwortlichen bereits ausgewählt: das Dach der Turnhalle Bramberg, welche sich hinter der Museggmauer befindet. Dort soll eine Fotovoltaikanlage entstehen, die pro Jahr rund 25000 Kilowattstunden sauberen Strom erzeugen kann. Das würde für sechs Vierpersonenhaushalte reichen. Ziel ist es aber, damit den Energiebedarf der Turnhalle zu decken. «Das sollte gelingen», glaubt Weibel. Der restliche Strom wird ins normale Netz eingespeist, die Genossenschaft erhält eine Vergütung für den verkauften Strom.

Unterstützung erhält die Energiegenossenschaft von verschiedenen Seiten. Die Stadt Luzern beispielsweise überlässt das Turnhallendach gratis. «Wir wollen genau solche brachliegenden Flächen nutzen, um darauf die Solaranlagen zu realisieren», so Weibel. Und auch die Albert-Köchlin-Stiftung greift der neu gegründeten Genossenschaft unter die Arme: Einerseits tut sie das, indem sie Broschüren und Arbeitsmaterial zur Verfügung stellt. Andererseits – und wahrscheinlich fast wichtiger – übernimmt sie 20 Prozent der Anschaffungskosten der ersten Anlage. Diese soll 60000 Franken kosten, die Hälfte davon haben die Genossenschaftsgründer bereits beisammen. Jetzt sind sie auf die Unterstützung Gleichgesinnter angewiesen, um die fehlenden 30000 Franken Kapital zusammenzubringen.

Initianten setzen auf Information

Die Gründungsmitglieder, welche die Verwaltungsarbeiten derzeit ehrenamtlich untereinander aufteilen, weibeln kräftig in ihrem Umfeld. «Ich gehe davon aus, dass wir rund 30 Genossenschafter aus unserem Bekanntenkreis gewinnen können», so ­Weibel. Für den Rest brauche es die Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb führen die Verantwortlichen Informationsanlässe durch – etwa am 18. Oktober im Hof Musegg.

Wichtig ist den Initianten laut eigenen Angaben nicht der finanzielle Erfolg, sondern «dass die Allgemeinheit und die Umwelt profitieren». Die Genossenschaft soll organisch und nachhaltig wachsen. Dennoch wären sie froh, «so viele Genossenschafter wie möglich zu finden», sagt Weibel. Für die Zukunft ist geplant, jeweils eine Anlage pro Jahr zu realisieren. Allerdings sei man auch offen für eine schnellere Entwicklung.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Die Initianten organisieren am 18.Oktober um 19 Uhr einen Informationsanlass. Dieser findet im Hof Hintermusegg, an der Diebold-Schilling-Strasse 13 statt.

Energiegenossenschaft Luzern


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