Nach 118 Jahren ist Schluss

BUOBENMATT ⋅ Das Traditionsgeschäft Hägeli Lederwaren muss schliessen – unter anderem wegen der Konkurrenz im Internet. Schon früher machte das Geschäft schwierige Zeiten durch, überlebte aber dank der Armee.
07. Oktober 2017, 00:00

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Bilder der Firmengeschichte: luzernerzeitung.ch/bilder

Er ist ein Blickfang mitten in der Buobenmatt-Passage: Der Laden von Hägeli Lederwaren mit seinem breiten Angebot an Damentaschen, Reisekoffern, Klein­lederwaren und Schirmen. Nun schliesst das Geschäft per Ende dieses Jahres seine Türen. Damit geht eine 118-jährige Familien­tradition zu Ende. «Die Zunahme von Ausland- und Internet­einkäufen bei gleichbleibenden Kosten zwingt uns zu diesem Schritt», sagt Benno Hägeli, Urenkel des Firmengründers.

Ein weiterer Grund seien die relativ hohen Mietkosten für die Räumlichkeiten, die der Luzerner Pensionskasse gehören. Kleinere Räume mit weniger grossen Warenauslagen wären für das Geschäft keine Option, wie Hägeli sagt: «Wir haben naturgemäss einen grossen Raumbedarf. Es ist nun mal so: Einen Koffer kann man nicht einfach wie eine Uhr in ein kleines Schächtelchen packen. Als Einzelgeschäft ohne Filialnetz verfügen wir auch nicht über die nötige Verkaufsmenge, um Preisreduktionen im Einkauf erzielen und an die Kunden weitergeben zu können.»

«Detailhandel steckt in einer grossen Krise»

Viele andere Geschäfte hätten ähnliche Probleme, sagt Hägeli: «Man muss sich in Luzern endlich bewusst werden, dass der Detailhandel in einer Krise steckt.» Zur Geschäftsaufgabe führt auch die Tatsache, dass Hansruedi Hägeli, der den Laden zuletzt führte, schwer erkrankt ist. Seine beiden Söhne sind in anderen Bereichen tätig und können das Geschäft nicht weiterführen. «Wir führten Gespräche mit potenziellen Nachfolgern», sagt Benno Hägeli: «Alle sagten ab, nachdem sie die betriebswirtschaftliche Rechnung gemacht hatten.»

Benno Hägelis Urgrossvater Albert Hägeli hatte den Betrieb im Jahr 1899 an der Neustadtstrasse 6 in Luzern gegründet. «Zuerst war es eine Sattlerei», sagt Margrith Hägeli, die Mutter von Benno, die im Geschäft zuletzt für den Einkauf zuständig war. Sättel seien damals aber nicht hergestellt worden: «Begonnen hat alles mit Ross­geschirr.» Später seien dann ­Reisekoffer für Autos dazugekommen – diese kann man noch heute an zahlreichen Oldtimer-Fahrzeugen bestaunen.

«Während der beiden Weltkriege brach das Geschäft völlig ein», erzählt Margrith Hägeli. «Es kamen ja keine Touristen mehr.» Gerettet hätten den Laden die vielen Aufträge der Schweizer Armee. Vom Firmengründer erzählt sie eine schöne Anekdote: «Er stammte nicht aus Luzern, sondern wuchs in ärmlichsten Verhältnissen in Hofstetten im Kanton Solothurn auf. Er war ein Verdingbub, machte eine Sattlerlehre und ging auf Wanderschaft durch Frankreich. Das Geld, das er verdiente, nähte er in seinen Gurt ein. Als er zurückkam, hatte er so einige Goldstücke beisammen. Auf Besuch in Luzern sagte er: ‹Hier gefällt’s mir› und gründete die Sattlerei.»

Heute wird vorwiegend in Ostasien produziert

Am Ende seiner erfolgreichen Karriere besass Firmengründer Albert Hägeli zwei Geschäfte, an der Pilatusstrasse 11 und an der Hertensteinstrasse 2. Letzteres Haus am Rand der Altstadt (heute ist dort Chäs Barmettler) war im Familienbesitz und wurde später vom Sohn des Firmengründers gegen ein Wohnhaus ausserhalb der Stadt eingetauscht. 1987 wurde Hägeli an der Pilatusstrasse gekündigt. Es erfolgte der Umzug in die neu erbaute Buobenmatt.

Und jetzt also die definitive Geschäftsaufgabe. «Natürlich ist es schade, dass diese Familientradition in der dritten Generation mit Hansruedi Hägeli als letztem Geschäftsinhaber aufhört», sagt Benno Hägeli. «Doch hat sich in dieser langen Zeit nicht nur beim Sortiment und beim Preis vieles verändert. So wurden viele Koffer und Taschen einst noch in der Schweiz produziert. Heute lassen die Hersteller die Produkte vorwiegend in Ostasien produzieren.»

Bis Ende Jahr läuft nun der Ausverkauf. Welches Geschäft nachher hier einzieht, ist offen.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch


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