Nur die Spitze ist ihnen gut genug

LUZERN ⋅ Vor 50 Jahren wurde die Kunstturnerinnenriege des BTV Luzern gegründet. Das Ziel war, international mitmischen zu können. Doch die olympischen Ambitionen stellen den Verein vor neue Herausforderungen.
13. Mai 2017, 00:00

Der Luzerner Turner Josef Brunner bot jungen Frauen in den 1960er-Jahren erstmals die Möglichkeit, das Geräteturnen zu trainieren. Fritz Gerhart (1926–2011), langjähriges Mitglied des Bürgerturnvereins BTV, erkannte das Potenzial dieser Athletinnen und regte die Gründung einer eigenen Frauenriege an. 1967 wurde diese als «Kunst- und Geräteturnerinnenriege» offiziell gegründet. Es ging den Gründern nicht einfach um das Turnen als Zeitvertreib. Sie wollten mehr. Für Luzerner Turnerinnen sollten Trainingsbedingungen geschaffen werden, die den Weg an die Spitze ebneten. Unterstützung kam – indirekt – von unerwarteter Seite: der Sowjetunion. 1968 hatten die Kunstturnerinnen die tschechische Turnlegende Ludek Martschini für ein Trainingslager nach Luzern eingeladen. Während seiner Anwesenheit marschierten die Sowjets in Prag ein. Martschini blieb in Luzern und stellte seine Kompetenz dem Schweizer Turnverband zur Verfügung.

Die Erfolge kamen rasch. Fünf Luzerner Turnerinnen reisten 1972 an die Olympischen Spiele in München. Mit Käthi Fritschi (1972) und Christine Steger (1973/74) stammten die ersten drei Schweizer Meisterinnen im Kunstturnen aus Luzern. In den folgenden Jahrzehnten wurden wiederholt auf nationaler Ebene Erfolge erzielt. Der grösste Stolz der Kunstturnerinnenriege? Bettina Schurtenberger, Technische Leiterin, muss nicht lange überlegen: «Ariella Kaeslin. Ein solches Talent im Verein zu haben, das erlebt man nur einmal.» Ihre Erfolge, allen voran der Europameistertitel 2009, wirkten sich auch für den Verein positiv aus: «Bei mir klingelte pausenlos das Telefon, alle wollten turnen.»

«Wer bei uns turnen will, muss Leistung erbringen

Nachwuchssorgen kennt die Kunstturnerinnenriege denn auch bis heute nicht. Jeden Frühling wird eine Selektion durchgeführt. Von den rund 20 Mädchen, die jeweils antreten, können etwa zwölf aufgenommen werden. Schurtenberger: «Wer bei uns ins Kunstturnen will, muss gewillt sein, Leistung zu erbringen.»

Um die Betreuung und die Geräte zu finanzieren, wurden 2008 die nationalen Kunstturnerinnentage Luzern ins Leben gerufen. Dieses Wochenende findet in der Krauerhalle Kriens die zehnte Durchführung statt. Dabei kämpfen Athletinnen um die begehrten Punkte, die zur Teilnahme an den Schweizer Meisterschaften berechtigen. Der Erlös dieses Anlasses macht einen bedeutenden Teil des Vereinsbudgets aus. Just hier droht nun Ungemach. Neue Weisungen des Turnverbandes verlangen, dass solche Wettkämpfe an Geräten ausgetragen werden, die den aktuellen Normen entsprechen – im Klartext: olympiataugliches Material. So muss die Riege, die eigentlich bestens ausgerüstet wäre, eigens für ein Wochenende die komplette Halleneinrichtung mieten und nach Luzern transportieren. «Ein Anhängerzug voller Turnmaterial», gibt Schurtenberger zu bedenken. Da aber mit dem 50. Geburtstag und der 10. Ausgabe der Turnerinnentage ein Doppeljubiläum ansteht, nimmt man diesen Aufwand dieses Jahr auf sich. Dafür seien keine besonderen Jubiläumsfeierlichkeiten geplant.

Manuel Burkhard

stadt@luzernerzeitung.ch


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