Protest gegen umstrittenen Neubau wächst

STEINENSTRASSE ⋅ Das Hostel Lion Lodge soll abgerissen und neu gebaut werden. Dagegen wehren sich Anwohner vehement – und planen nach formalen Einsprachen nun auch eine Petition.
14. Juli 2017, 00:00

Als im letzten November bekannt geworden ist, dass das Hostel Lion Lodge an der Zürichstrasse einen Abriss und Neubau plant, liess der Widerstand der Nachbarn nicht lange auf sich warten. Gegen die Pläne des Hostelbesit­zers Ratan Ashrafuzaman reichten insgesamt 13 Anwohner der parallel liegenden Steinen­strasse Einsprache ein (Ausgabe vom 21. Dezember 2016). Das ursprüngliche Baugesuch hat die städtische Baudirektion daraufhin abgelehnt, nun wartet sie auf die überarbeiteten Pläne.

In der Zwischenzeit gehen die Anwohner aber noch einen Schritt weiter: Um ihre schmucke Strasse zu erhalten, planen sie eine Petition und gründen den Verein Pro Steinenstrasse. Dies haben sie an einem Treffen letzten Montag beschlossen, wie Anwohner und Sprecher des Vereins Mathias Arbogast sagt. «Wir fühlen uns mit der Steinenstrasse alle sehr verbunden und wollen jetzt die Bevölkerung für unser Anliegen sensibilisieren.» Unterstützung holten sie sich bei der IG Stadtentwicklung und der SP Stadt Luzern, die mit je einem Vertreter ebenfalls am Treffen anwesend waren. Für die SP war dies Parteipräsident Claudio Soldati.

Schwere Vorwürfe an die Stadtbehörden

Nebst der Proteststrategie lässt Arbogast auch Kritik an der Stadtverwaltung verlauten: «Wir fühlen uns von der Stadt überhaupt nicht ernst genommen und haben zum Beispiel nie eine Eingangsbestätigung unserer Einsprache erhalten.» Laut RenéKüenzi, Sachbearbeiter Baugesuche, ist eine solche gemäss Baugesetz allerdings gar nicht vorgesehen. Da die Behörde momentan auf die überarbeiteten Pläne wartet, würden die Einsprecher zu gegebener Zeit wieder informiert.

Da sich das Gebäude in der Ortsbildschutzzone B befindet, waren für dessen Abriss vertiefte Abklärungen nötig. Im April 2016 stellte die Baudirektion einen Abriss unter gewissen Bedingungen in Aussicht. So müsste ein Architekturwettbewerb mit mindestens drei Büros stattfinden. Eine Sanierung sei technisch zwar möglich, aus wirtschaftlichen Gründen aber unverhältnismässig. Problematisch sei unter anderem das brüchige Mauerwerk, das auch die Ausbreitung von Hausschwamm erleichtert.

Dafür haben die Anwohner wie auch Arbogast kein Verständnis. Er sagt: «Das Haus ist aus unserer Sicht durchaus sanierbar. Die Baudirektion ist aber offensichtlich nicht willens, das his­torische Luzern zu erhalten. Praktisch alle Häuser kämpfen in der Steinenstrasse mit Hausschwamm – da müsste man theoretisch die ganze Strasse abreissen.» Den pauschalen Vorwurf weist Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner klar zurück. So sei die Stadt Luzern ja auch nicht bereit gewesen, das ursprüngliche Projekt für die «Lions Lodge» zu bewilligen.

Für die Aufregung im Quartier hat der Inhaber der «Lion Lodge», Ratan Ashrafuzaman, ein «gewisses Verständnis»: «Auch uns gefallen die Altbauten und die Geschichte hier.» Weil sich das Gebäude in einem äusserst schlechten Zustand befinde, müsse aber «so schnell wie möglich» etwas geschehen. Ashrafuzaman betont, dass es sich bei den Einsprechern um eine Minderheit handle: «Wie wir aus Rückmeldungen aus der Nachbarschaft wissen, befürworten die allermeisten unser Projekt.»

Der Architekturwettbewerb ist derweil bereits abgeschlossen: Das Siegerprojekt stammt von den Architekten Emma Radaelli und Olivier Ilegems des Zürcher Büros «design-er». Geplant ist ein kompletter Neubau mit einem zusätzlichen Geschoss. Entstehen soll neu ein Dreisternehotel mit höherem Standard als bisher. Heute verfügt das Hostel über 25 Mehrbettzimmer mit 82 Betten.

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch


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