Quartier ist Kulisse statt Bühne

BASELSTRASSE ⋅ Die SRG Zentralschweiz führt Anfang Juni einen Anlass mit Auslandkorrespondenten durch. Die Organisationen und Menschen vor Ort bleiben aussen vor. Das Bedauern ist gross, der Pragmatismus auch.
20. Mai 2017, 00:00

Der Anlass ist einigermassen hochkarätig: «Nacht der Korrespondenten» nennt sich die öffentliche Veranstaltung, welche die SRG Zentralschweiz am 2.Ju­ni im ehemaligen Gebäude der Hochschule Luzern – Design & Kunst durchführt. Die SF-Korrespondenten Ruth Bossart (Türkei), Christof Franzen (Russland) und Beat Soltermann (USA) erzählen aus ihrem Arbeitsalltag, reden über die Menschen, die Politik und die Wirtschaft.

Die Veranstaltung findet zwar an der Baselstrasse 61b statt, sie hat mit dem Quartier aber wenig bis gar nichts zu tun. Dabei hatte es vor Monaten einmal so aus­gesehen, als spielten die Organi­sationen und die Menschen im multikulturellsten Quartier der Stadt eine tragende Rolle. Thomas Glatthard, Geschäftsführer des Vereins BaBeL (nachhaltige Quartierentwicklung Basel-/Bernstrasse Luzern) und gleichzeitig Gebietsmanager des Gemeindeverbands Luzern Plus, bestätigt, von der SRG Zentralschweiz frühzeitig angefragt worden zu sein, ob es Möglichkeiten der Zusammenarbeit gäbe. Es gab sie denn auch.

Eintritt kostet zwischen 45 und 60 Franken

Doch sie haben sich zerschlagen. Glatthard bedauert dies, sagt dazu aber nur so viel: «Die multikulturellen Läden und Restaurants der Baselstrasse und das Catering von ‹Shop&Food› wären für den Anlass ideal gewesen.» In der Tat hätte auf diese Art dreierlei erreicht werden können: erstens das Schaffen einer authentischen Umgebung für den Anlass mit den SF-Auslandkorrespondenten. Zweitens der Einbezug der Menschen, die sich von den Korrespondenten die Welt erklären lassen. Drittens der Austausch zwischen jenen, die als Fremde aus Ländern für Fremde aus diesen Ländern in der Schweiz berichten.

Das wird nun kaum zu Stande kommen, auch aufgrund des Eintrittspreises: Das Ticket kostet stolze 60 Franken, für SRG-Mitglieder 45. Eine finanzielle Hürde, die nicht dafür sorgen wird, dass die Quartierbewohner in Scharen erscheinen werden.

Niklaus Zeier, Präsident der SRG Zentralschweiz – und Kommunikationschef der Stadt Luzern, die selber zentrale Finanziererin von Freiwilligen-Organisationen im BaBeL-Quartier ist –, räumt ein, dass der Eintrittspreis nicht besonders quartierfreundlich sei. Vor allem aber: «Es ist nicht in erster Linie eine Veranstaltung für das Quartier.» Die Aussage ist deshalb erklärungsbedürftig, weil es die SRG Zentralschweiz selber war, die auf die Vereine im Quartier zuging, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. «Es hat sich organisatorisch nicht ergeben. Wir brachten das nicht unter einen Hut», sagt Zeier. Es habe aus finanziellen und logistischen Gründen eine «pragmatische Lösung» gebraucht. Dabei haben weder die Quartiervereine noch die Menschen im Quartier einen Part. Was auch Zeier bedauert: «Der Wunsch des Vereins SRG Zentralschweiz wäre gewesen, dass die Korrespondenten mit dem Publikum in den Stadtteil eingetaucht wären, zum Beispiel in einer Vortragsreihe in den unterschiedlichsten Lokalen und Geschäften des lebhaften Quartiers.»

Immerhin: Zeier stellt eine Preissenkung in Aussicht. Jedenfalls scheint denkbar, dass Nicht-SRG-Mitglieder doch noch in den Genuss einer Vergünstigung kommen. Sie könnten dann nicht nur den Ausführungen der SRF-Korrespondenten lauschen, sondern auch einen eigenen Radiobeitrag aufnehmen und schneiden, kulinarische Köstlichkeiten und musikalische Unterhaltung geniessen.

Übrigens: Die SRG Zentralschweiz hat eine Reihe von Sponsoren akquiriert – von der Caritas Luzern über den Adligenswiler Gartenbauer Bortone bis zum Caterer Viva Luzern AG, der ebenso reduzierte Konditionen anbietet wie die Hochschule für die Miete. Die Quartierkulisse ist sogar gratis. Sie hätte leichterdings Bühne sein können.

Hinweis

Die «Nacht der Korrespondenten» findet am 2. Juni von 18 bis 24 Uhr in den ehemaligen Räumen der Hochschule Luzern an der Baselstrasse 61b statt. Weiterführende Informationen finden Sie unter: www.srgd.ch/regionen/srg-zentralschweiz

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch

«Es ist nicht in erster Linie eine Veranstaltung für das Quartier.»

Niklaus Zeier

Präsident SRG Zentralschweiz


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