Rettungsaktion stösst auf grosses Echo

SPARMASSNAHMEN ⋅ Rund 14 000 Personen sprechen sich auf «SOS Museen» gegen die drohende Schliessung des Natur- und des Historischen Museums aus. Wie reagiert der Kanton?
09. August 2017, 00:00

Der Rücklauf ist enorm: Über 14 000 Personen haben den Online-Aufruf auf sos-museen.ch gegen die drohende Schliessung des Natur- und des Historischen Museums unterzeichnet. Diese Sparmassnahme hat der Luzerner Regierungsrat angekündigt, falls der Kantonsrat die Schuldenbremse nicht lockern will. Hinter der Aktion stehen die beiden Vereine Freunde des Natur-Museums sowie Freunde des Historischen Museums.

«Unser Ziel waren 10 000 Unterzeichner, wir sind daher froh um das grosse Echo», sagt Hans Boesch, Präsident Freunde des Natur-Museums. Die meisten Unterzeichner kämen aus dem Kanton Luzern, es gebe aber auch viele aus Wissenschafts- und Museumskreisen. «Diese Unterstützung zeigt, dass die Museen auch fachlich geschätzt werden.»

Stellenwert soll sich ändern

Bei der Aktion handelt es sich nicht um eine Petition, die dem Regierungsrat oder den Kantonsräten übergeben werde, wie ­Boesch betont. «Wir wollen damit zeigen, wie beliebt die Museen bei der Bevölkerung sind.» Mit der Aktion wollen die Initianten laut Boesch zudem Folgendes erreichen: «Wir erwarten, dass anders mit den Museen umgegangen wird. Deren Stellenwert soll sich ändern, es soll nicht stets von Schliessungen die Rede sein, sobald wieder gespart wird.» Man werde nun mit Kantonsräten direkt in Kontakt treten.

Wie reagiert man beim Kanton auf die Aktion? Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss (CVP) war wegen Ferienabwesenheit nicht erreichbar. «Die grosse Resonanz dieser Aktion bestätigt, dass die beiden kantonalen Museen gute Angebote machen», teilt sein Departement auf Anfrage mit. Erwägt der Kanton nun, auf die Schliessung der Museen zu verzichten und stattdessen andere Sparmassnahmen auszuarbeiten? «Zurzeit gibt es keinerlei konkrete Überlegungen in die eine oder andere Richtung.» Man wolle zuerst den Entscheid des Kantonsrats über die Schuldenbremse abwarten. Aber: «Wenn auf eine Schliessung der Museen verzichtet werden soll, müsste der entsprechende Betrag in einem anderen Bereich gekürzt werden, damit das Budget ausgeglichen bleibt.» Dabei handelt es sich um 1,6 Millionen Franken.

Die Einwände des Museumsexperten Kilian T. Elsasser, dass die Museen wegen Leistungsaufträgen gar nicht geschlossen werden können (Ausgabe vom 18. Juli), kommentiert der Kanton wie folgt: «Die beiden kantonalen Museen sind im Kulturförderungsgesetz verankert. Letztlich müsste der Kantonsrat über eine Schliessung entscheiden. Er könnte dann auch eine Gesetzesänderung beschliessen.»

Elsasser schlug auch die Gründung einer Stiftung vor, um die Museen aus der kantonalen Verwaltung auszulagern. «Wir werden auf jeden Fall jede Option sorgfältig prüfen», teilt das Bildungs- und Kulturdepartement mit. «Allerdings werden die meisten ausgelagerten Museen weiterhin vollständig oder massgeblich von der öffentlichen Hand finanziert. Insofern löst eine Stiftung das finanzielle Problem nicht oder nur teilweise.»

Verein ist offen für Veränderungen

Fortgeschrittener ist die Prüfung einer Kooperation des Natur-Museums mit dem Gletschergarten. Eine solche wäre für die Museums-Freundesvereine durchaus akzeptabel: «Wir sind bereit, Veränderungen mitzutragen», sagt Boesch. Eine Kooperation des Natur-Museums mit dem Gletschergarten oder eine Auslagerung in eine Stiftung lasse sich aber nur im Rahmen eines übergeordneten Konzeptes beurteilen. Jenes über die Kooperation soll im Herbst dem Regierungsrat unterbreitet werden.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: