Reuss-Fischer wollen ihr Revier zurück

VERGABE ⋅ Durch den Wechsel vom Pacht- zum Patentsystem sieht der Fischereiverein Reuss Luzern seine Existenz gefährdet. Vor allem aber schade das System dem Gewässer. Der Kanton sieht das anders.
07. Juni 2017, 00:00

Vom Aal bis zum Zander: In den Gewässern des Kantons Luzern tummelt sich eine Vielfalt unterschiedlichster Fische. Wer hat das Recht, sie zu fangen? Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man erwirbt ein zeitlich befristetes Patent, oder man pachtet einen Gewässerabschnitt für acht Jahre. Darüber ist nun eine Kontroverse entbrannt. Grund: Der Fischereiverein Reuss Luzern möchte, dass ihm der Kanton Luzern die Untere Reuss wieder verpachtet. Er hatte die Pacht im Jahr 2012 verloren, als der Kanton mit einer Änderung der Fischereiverordnung bei zwei von rund 120 Gewässerstrecken vom Pacht- zum Patentsystem wechselte. Betroffen sind der untere Teil der Kleinen Emme sowie die Untere Reuss zwischen der Mündung der Kleinen Emme und der Kantonsgrenze.

Der Fischereiverein Reuss Luzern präsentierte seine Forderung kürzlich an der Delegiertenversammlung des Fischerei­verbands Kanton Luzern. Eine Mehrheit der Delegierten unterstützte den Antrag. Bis 2012 war der Verein als Pächter für den 13 Kilometer langen Abschnitt der Reuss vom Ibachgraben/Reussbühl bis zur Kantonsgrenze Aargau verantwortlich. Weshalb will er diese Pacht nun so dringend wieder zurückhaben? «Durch das Patentsystem hat sich die Situation für die Gewässer nicht verbessert – im Gegenteil», sagt Vereinspräsident Franz Stadelmann. Als Pächter (Pate) sei man «näher dran am Gewässer – man sorgt sich um den Gewässerabschnitt und ist auch bereit, Frondienst zu leisten, wenn es darum geht, den Uferbereich von angeschwemmten Plastikabfällen zu säubern». Mit dem Patentsystem sei das ganz anders: «Da kann man irgendwo fischen gehen, dafür beim Kanton ein Tagespatent kaufen und dann beispielsweise am Lungerersee seine fünf Fische herausziehen.» Eine Beziehung zum Stammgewässer sei dann kaum mehr vorhanden.

Verein schrumpft wegen neuem System

Der Umstieg aufs Patentsystem hat für den Fischereiverein Reuss Luzern zudem noch andere Folgen: Seit 2012 ist die Anzahl Mitglieder des 1962 gegründeten Vereins von 150 auf die Hälfte geschrumpft. Die Mitglieder müssen heute, wie jeder andere Interessierte auch, an einer der Verkaufsstellen ein Patent kaufen, wenn sie fischen wollen. Dass unter diesen Umständen die Bereitschaft, einem Verein beizutreten, klein ist, liegt auf der Hand. Ein Tagespatent zum Fischen an der Unteren Reuss kostet heute für Kantonsbürger 25 Franken, ein Monatspatent 80 Franken und ein Jahrespatent 250 Franken. Der Mitgliederbeitrag beim Fischereiverein kostete bis 2012 jährlich 280 Franken (Berechtigung zum Fischen inbegriffen). Heute beträgt der Jahresbeitrag 135 Franken (exklusive Patent).

Dass der Fischereiverein mit dem Patentsystem nicht glücklich ist, kann Peter Ulmann, Leiter Abteilung Natur, Jagd und Fischerei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, verstehen: «Es ist sicher so, dass Pächter einen engeren Bezug zum gepachteten Gewässer haben als Fischer, die ein Patent kaufen.» Er lobt den Fischereiverein Reuss Luzern für sein Engagement, betont aber gleichzeitig: «Die ökologische Funktionsfähigkeit der Reuss hängt nicht mit dem Vergabesystem zusammen.»

Es gebe bei beiden Systemen Vor- und Nachteile, sagt Ulmann: «Für Individualfischer ist das Patentsystem oft attraktiver.» Das sei ein Hauptgrund dafür gewesen, dass der Kanton vor fünf Jahren bei den genannten zwei von 120 Gewässerstrecken zum Patentsystem wechselte. «Der Gewässerkanton Luzern soll im Bereich Fischerei eine attraktive Produktepalette anbieten können. Dazu gehören neben rund 120 Pachtgewässern auch ein paar Flussabschnitte, die – wie übrigens alle Seen – im Patentsystem befischt werden können.»

Ein anderer Grund, der für das Patentsystem spricht, sind die umfangreichen Wasserbauarbeiten am Seetalplatz und dem Reuss-Hochwasserschutzprojekt. Weil an beiden Strecken mit mehrjährigen Bautätigkeiten zu rechnen sei, führe dies zu massiven Nutzungsänderungen. Diesen könne im Patentsystem leichter Rechnung getragen werden.

Regierungsrat müsste Verordnung ändern

Private Fischereivereine können in ihrem gepachteten Gewässerabschnitt auch eine beschränkte Anzahl Berechtigungen für Nichtmitglieder erteilen. Für auswärtige Gäste ist die Zutrittsschwelle aber trotzdem deutlich höher. Um dem Fischereiverein Reuss Luzern die Rückkehr zum Pachtsystem zu ermöglichen, müsste der Regierungsrat die Verordnung wieder ändern. Dazu müsste der Fischereiverein mit einem entsprechenden Antrag an die Regierung gelangen. «Wir sind daran, einen solchen vorzubereiten», sagt Vereinspräsident Franz Stadelmann.

Ob der Verein bei einer Rückkehr ins Pachtsystem den Zuschlag erhalten würde, ist aber noch nicht sicher. Eine Änderung wäre frühestens mit den Neuverpachtungen 2020 möglich.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch


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