Reuss soll sicherer werden

LUZERN ⋅ Die neu geschaffene Badestelle beim Reusszopf zieht vermehrt Schwimmer an. Die CVP fordert deshalb, die Infrastruktur auszubauen. Damit ist sie nicht allein.
11. Juli 2017, 00:00

Isabelle Jost

region@luzernerzeitung.ch

Die Luzerner entdecken das Flussschwimmen – dank dem neu erstellten Badezugang beim Reusszopf. Doch die Anfor­derungen an Flussschwimmer unterscheiden sich von jenen beim Baden im See.

Die Stadtluzerner CVP stellt deshalb die Frage, ob dem Sicherheitsaspekt genügendRech­nung getragen wurde. Sie hat zu diesem Thema ein Postulat eingereicht. Darin fordert die Partei, dass der Luzerner Stadtrat eine Beschilderung sowie eine zusätzliche Infrastruktur für den Ein- und Ausstieg prüft. «Klar muss jeder seine Selbstverantwortung wahrnehmen», sagt der Erstunterzeichner, Grossstadtrat Roger Sonderegger. Viele seien sich der Gefahren aber zu wenig bewusst.

Ganz neu ist das Thema in Luzern übrigens nicht: Bereits im Jahr 2012 reichte Marcel Bud­miger im Namen der SP/Juso-Fraktion ein ähnliches Postulat ein. Damals sah man jedoch keinen Handlungsbedarf. Laut Sonderegger habe sich die Ausgangslage nun aber geändert: Durch die eingangs erwähnte neue Freizeitanlage bei der Sommerbar Nordpol hätte die Zahl der Flussschwimmer in der Reuss merklich zugenommen. Sollte die Stadt zusätzliche Sicherheitsmassnahmen für notwendig erachten, gilt es, mit dem Kanton Absprachen zu treffen: Denn für den Flusszugang ist die Stadt zuständig, für den Fluss selbst jedoch der Kanton Luzern.

Bisher existiert nur ein sicherer Einstiegsort

Ungefährlich ist das Schwimmen im Fluss sicherlich nicht. Wer als Neuling einen geeigneten Einstiegsort sucht, findet zum Beispiel keine Hinweise. Dies be­stätigt auch die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG), Sektion Zentral. Laut deren Präsident Ueli Bärtschi fehlt aktuell eine zweckmässige Signalisierung. Klar markierte Stellen würden das Risiko minimieren. Zurzeit gebe es allerdings nur einen empfehlenswerten Einstiegsort, so Bärtschi: jener bei der Treppe in der Sentimatt. Auch Sonderegger sagt: «Eine Beschilderung an klar markierten Einstiegsstellen, versehen mit den Flussregeln der SRLG, sollen ungeübte Schwimmer davor warnen, leichtsinnig in fliessendes Gewässer zu steigen.» Besonderes Augenmerk gelte gerade auch den vielen Familien mit Kleinkindern, die dank dem grossen Spielplatz im Reusszopf das zusätzliche Badeangebot nutzen.

Die Luzerner Polizei hat üb­rigens trotz der steigenden Zahl an Reussschwimmern nach wie vor keine Vorfälle registriert. Mediensprecher Kurt Graf weist darauf hin, dass bereits mehre­- re Rettungsgeräte entlang des Reuss­ufers installiert worden sind. Beim Reusszopf sei zudem ein Hinweis mit den Flussregeln der SLRG platziert worden.

Ungeübte eifern Routiniers nach

Flussschwimmen wird in Luzern übrigens schon lange praktiziert. «Früher war dies lediglich bei ‹Insidern› und geübten Schwimmern bekannt», sagt Ueli Bärtschi. «Mit der neuen Buvette am Reusszopf ist das Thema publik geworden, und viele ungeübte Schwimmer machen dies den Routiniers jetzt nach.» Und nicht immer problemlos, wie die Er­öffnungsfeier der Buvette zeigte: Laut Bärtschi musste die SLRG dort zwei ermüdeten Personen helfen, ans Ufer zu kommen. Diese hatten die sichere Ausstiegsstelle kurz vor der Buvette verpasst. Eine weitere gibt es danach nicht.

Heikel ist ausserdem ein neuer Trend: Seit der Neugestaltung beobachtet man beim Reusszopf vermehrt Schwimmer, die diesen nicht als End-, sondern als Startpunkt nutzen. Kurz danach fliesst aber die Emme in die Reuss, weshalb dort die Strömung stärker wird und zusätzliche Wirbel entstehen können. Bei starken Regenfällen kann die Emme zudem Schwemmholz mittreiben.

Sind zusätzliche Sicherheitsmassnahmen deshalb auch in der Gemeinde Emmen ein Thema? Deren Mediensprecher Nikola Janevski betont, dass Emmen an der Reuss keine offiziellen Badeplätze bereitgestellt hat. Das Risiko müsse von den Schwimmern deshalb selber getragen werden.

«Flussschwimmen war früher lediglich bei ‹Insidern› und geübten Schwimmern bekannt.»

Ueli Bärtschi

SLRG Sektion Zentral


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