So buhlen Geschäfte um Kunden

WEIHNACHTEN ⋅ Die Eröffnung der «Mall» hat das Weihnachtsgeschäft verändert. Die Konkurrenz weibelt nun verstärkt um die Gunst der Kunden. Aufgerüstet wird vor allem beim Rahmenprogramm.
07. Dezember 2017, 00:00

Roman Kühne

stadt@luzernerzeitung.ch

Kalt bläst der Wind den Luzerner Geschäften entgegen. Zwar ist der billige Nachbar Deutschland, dem gestiegenen Euro sei Dank, wieder etwas weiter weg. Doch da ist der «Black Friday». Der Schnäppchentag aus Amerika hat dieses Jahr in der Schweiz so richtig die Rakete gezündet. Oder der Internetriese Amazon: Ab nächstem Jahr will er alle seine Produkte in die Schweiz liefern. Und natürlich die Mall of Switzerland, das zweitgrösste Einkaufscenter der Schweiz, das pünktlich zu Weihnachten seine Türen öffnete und für neue Konkurrenz sorgt.

Die City-Vereinigung Luzern vertritt die Geschäfte der Luzerner Innenstadt. Deren Präsident André Bachmann ist trotz allem zuversichtlich: «Einkaufen in Luzern hat nach wie vor viel zu bieten. Unsere City Card, die Geschenkkarte für alle Luzerner Geschäfte, ist immer noch ein Renner. Da werden pro Jahr über 2 Millionen umgesetzt.»

Mall punktet mit einem Eisfeld und Schlagern

Aber die Konkurrenz schläft nicht. Die Mall of Switzerland ist mit dem Anspruch angetreten, nicht bloss ein Shoppingcenter zu eröffnen, sondern eine Erlebniswelt, die in Sachen Attraktivität dem Stadtzentrum in nichts nachstehen will. Das Eisfeld zum Schlittschuhlaufen vor dem KKL, bisher eine der Hauptattraktionen der Weihnachtsstadt Luzern, hat jetzt Konkurrenz aus Ebikon erhalten: Letzten Freitag eröffnete dort die Eisfläche auf dem Platz vor der Mall. An den Wochenenden wird dieses vom Schlager- und Party-DJ Pascy bespielt. Weitere Unterhaltung bieten ein Jazz-Abend (Donnerstag, 7. Dezember) oder eine Show des Eisklubs Luzern (Freitag, 8. Dezember). Daneben gibt es eher dem Amüsement zurechenbare Aktionen wie ein Promifussballturnier mit Ex-Bachelor Janosch Nietlispach und dem Fitnessmodell Anja Zeidler (Samstag, 16. Dezember).

Mall-Manager Jan Wengeler war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. André Bachmann von der City-Vereinigung nimmt die Aktivitäten aus Ebikon gelassen: «Wie unsere Oktober-Kampagne schon sagte: Wir sind das Original. Wir brauchen keine künstliche Surfwelle, wir haben die Reuss.» Auch einem künftig geplanten Weihnachtsmarkt in der Mall sieht er entspannt entgegen. «Unsere Weihnachtsmärkte stehen in einer natürlichen Umgebung. Wir müssen kein aufwendiges Hüttendorf bauen. Die Beleuchtung in der Luzerner Altstadt ist schweizweit einzigartig. Da braucht es nicht ein Wahnsinnskonzept.»

Auf den Lorbeeren ausruhen will man sich in der Innenstadt dennoch nicht. So soll der «Mikro Hub» (Artikel vom 21. Oktober) Anfang 2018 in die Testphase gehen. Die Idee ist einfach: Der Kunde kauft in der Stadt ein. Diese Einkäufe werden zentral an einem Ort gelagert, an dem der Kunde sie abholen kann, oder sie werden nach Hause geliefert. Der City-Vereinigung schweben eine Art Multifunktionszentren vor, welche die Auslieferung etwa gleich mit der Entsorgung des Abfalls verknüpft.

Ebenfalls neu und schon aufgeschaltet ist die Plattform City Events (www.city-luzern.ch). Hier preisen die diversen Geschäfte ihre Anlässe wie zum Beispiel eine Schokoladendegustation oder einen Kochkurs an. Ebenfalls geplant ist ein neuer City-Kids-Day. An den Einkaufssonntagen werden die Kinder im Haus der Maskenliebhaber-Gesellschaft mit Basteln, Märlistunde und Zaubershow unterhalten, während ihre Eltern entspannt shoppen gehen können.

Emmen-Center rüstet Weihnachtsdekoration auf

Auch die umliegenden Shoppingcenter fürchten sich nicht vor der neuen Konkurrenz. «Das Emmen-Center besteht seit 42 Jahren, war schon immer dem Markt ausgesetzt und konnte sich behaupten», sagt Leiter Roland Jungo. «Wir sind während des ganzen Jahres bestrebt, unsere Kunden zu überraschen. Speziell für Weihnachten haben wir einen Adventskalender, wo es täglich einen Hauptpreis sowie zahlreiche Sofortpreise zu gewinnen gibt.»

Ähnlich sieht es Nicolas Käser vom Pilatusmarkt: «Mit unserem Weihnachtszirkus haben wir ein starkes, traditionelles Element im Programm, das jedes Jahr viele Kunden anzieht. Gleichzeitig führen unsere Geschäfte so viele Weihnachtsaktionen durch, dass weitere Massnahmen momentan nicht angedacht sind.» Trotzdem hat der Pilatusmarkt seine Internetpräsenz dieses Jahr stark ausgebaut.

Eine spezielle Konkurrenzsituation besteht auch bezüglich der offenen Verkaufssonntage vor Weihnachten. Die drei grossen Shoppingcenter der Region Luzern – Mall of Switzerland, Emmen-Center und Pilatusmarkt – haben am Sonntag, 24. Dezember, offen. Die Geschäfte der Innenstadt sind an diesem Tag hingegen geschlossen. Dies, weil eine spezielle Verordnung in der Stadt Luzern festhält, dass die offenen Sonntage vor dem 24. Dezember stattfinden müssen.


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