Stadtrat lässt Hausbesetzer gewähren

MUSEGG ⋅ Bis gestern Vormittag hätte die Aktion «Pulp@» die Liegenschaft Auf Musegg 1 verlassen müssen. Doch davon keine Spur, die Aktivisten bleiben. Was macht der Stadtrat? Er lässt die Besetzer in Ruhe – und schweigt.
13. April 2018, 00:00

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Gestern, kurz vor 9 Uhr: «Möchtest du mitessen?», fragt eine Frau Ende 20. Im Gesicht trägt sie ein Lächeln, in der Hand ein Konfibrot. Zusammen mit etwa 15 anderen Aktivisten sitzt sie im Garten vor der Liegenschaft Auf Musegg 1. Die Besetzer gönnen sich ein Frühstück im Freien.

Die Stimmung ist entspannt. Und das trotz einer Räumungsaufforderung der Stadt Luzern. Diese verlangte, dass die Gruppe «Pulp@» die Liegenschaft, die sie seit dem Wochenende besetzt hält, bis 9 Uhr an diesem Morgen verlässt (Ausgabe von gestern). Spuren die Besetzer nicht, drohen ihnen rechtliche Konsequenzen. «Wir werden bleiben», sagt ein Mann mit Brille, kurzem Bart und Dächlikappe. Und was, wenn die Polizei anmarschiert? «So weit im Voraus planen wir nicht. Wir lassen alles auf uns zukommen.»

Stadtregierung tagt erst Mitte kommender Woche

Jetzt zeigt sich: Die Besetzer dürfen im Moment tatsächlich gelassen bleiben. Denn der Stadtrat ergreift vorderhand keine Massnahmen. Wie die Stadtluzerner Baudirektion gestern Mittag mitteilte, bespricht die Stadtregierung das weitere Vorgehen erst an einer Sitzung Mitte der nächsten Woche. Im Rahmen der Beratung will sie entscheiden, ob und wann sie Strafantrag wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung einreicht.

Die Aktivisten halten das ungenutzte oberste Stockwerk einer Remise neben der Villa Auf Musegg 1 besetzt. Sie wollen darin ein soziales Zentrum schaffen. Um sich Zutritt zum Gebäude zu verschaffen, schlugen sie eine Scheibe ein. Auf Nachfrage erklärt die Baudirektion, weitere Sachschäden seien nicht bekannt. Die Aktivisten würden den Anschein machen, Sorge zum Gebäude zu tragen. So wollen diese etwas gegen den Schimmelbefall unternehmen. Vom Stadtrat war für eine Stellungnahme niemand zu erreichen. Ausschliesslich die Baudirektion gebe in diesem Belang Auskunft, heisst es. Aktiv wird hingegen die Politik: Die Jungen Grünen fordern den Stadtrat zur Gesprächsbereitschaft auf. Sie wollen, dass die Stadtregierung mit den Aktivisten eine mögliche Zwischennutzung diskutiert. «Der Stadtrat spricht seit Jahren davon, dass er Zwischennutzungen von leerstehenden Liegenschaften fördern will. Jetzt muss er zu seinem Versprechen stehen», sagt Grossstadträtin Irina Studhalter. Der grüne Grossstadtrat Marco Müller hat eine Interpellation eingereicht. Darin will er unter anderem wissen, weshalb der Stadtrat eine Frist zur Räumung gesetzt hat, anstatt das Gespräch mit den Aktivisten zu suchen. Dagegen hält Nicolas A. Rimoldi, Vizepräsident der Jungfreisinnigen Luzern: «Dieses Verhalten ist ganz klar illegal. Es ist unverständlich, dass man diese Besetzung nicht sofort beendet.»


Anzeige: