Stadtwärts

Vom Trauma erholt

16. April 2018, 00:00

Die am Wochenende stattgefundene Bootsmesse am Alpenquai liess mit Sicherheit zahlreiche Besucherherzen höherschlagen. Bei so manchen löst nur schon der Blick auf ein Schiff das Gefühl von Freiheit und Wind im Haar aus, vom rhythmischen Schaukeln auf dem Wasser. Bootsliebhaber fühlen sich beim Hinaustuckern auf den See ihrem einstigen Kindheitstraum Kapitän so nah wie nie zuvor. Dort geniessen sie die Ruhe und Einsamkeit.

So sehr ich es auch versuche, kann ich diese Schwärmerei nicht nachvollziehen. Denn leider haben Boote und Schiffe für mich schon vor Jahren jeglichen Zauber verloren. Egal ob eine flotte Segeljacht oder ein teures Luxusmotorboot: Fängt jemand an, die Vorzüge seines Seegefährts zu preisen, mache ich sofort die Fliege.

Der Grund dafür liegt weit in meinen Jugendjahren zurück. Als Schülerin jobbte ich etwa zwei Sommer lang als Kellnerin auf den Schiffen auf dem Vierwaldstättersee – und es war der pure Stress! Angefangen hat die Hektik jeweils schon am Morgen vor Schichtbeginn. Und zwar mit der Suche des Schiffes. Denn bevor die Gäste am fahrplanmässigen Steg einstiegen, musste natürlich alles vorbereitet sein. Folglich gingen wir schon früher an Bord. Das Problem aber war: Mal war das Schiff in der Werft und wurde noch betankt, mal war es provisorisch auf einem anderen Steg und mal war es auf dem Wasser von einem Ort zum anderen unterwegs. Die Logik dahinter blieb mir bis zuletzt schleierhaft. Und so rannte ich, während andere gemächlich zum Bürogebäude schlendern konnten, wie eine Wilde auf der Werftstrasse hin und her.

Hatte ich das Schiff endlich gefunden, wurde der Tag auch nicht besser. Das anfangs erwähnte Schaukeln hatte bei mir nur zerbrochene Gläser und verschütteten Wein zur Folge. Es kam so weit, dass ich mich bei der Goldenen Hochzeit meiner Grosseltern fast weigern wollte, auf das eigens dafür reservierte Schiff zu steigen. So schlimm ist es inzwischen zum Glück nicht mehr. Als mich mein Chef bat, über die Bootsmesse zu berichten, habe ich nicht einmal gemurrt – allerdings konnte ich die Schiffe dabei auch nur vom Land aus betrachten.

Gabriela Jordan

Ressort Stadt/Region Luzern

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch


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