Auf 90 Zeilen

Von Hundemauern und Velowiesen

13. Oktober 2017, 00:00

Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen bekriegen sich seit eh und je und werden es wohl immer tun. Welch’ ein Glück, leben wir in unserer hochzivilisierten, friedlichen Schweiz! Hier sind wir erhaben über bisweilen unsinnige Fehden zwischen Bevölkerungsgruppen.

Aber halt! Schaut man genauer hin, lässt sich nicht verkennen, dass es auch in Luzern gewaltig brodelt. Denn hier und jetzt wird einer der bittersten und nimmer enden wollenden Kämpfe des modernen Homo sapiens ausgetragen – jener zwischen Hundehaltern und Hundegegnern. Konnten sich die beiden Gruppen bis vor einer Weile teils einfach nicht leiden, hat sich die Abneigung inzwischen sogar zu einem Territorialkonflikt zugespitzt: Schon die dritte Hundewiese ist in der Stadt Luzern notwendig, um «Hündeler» und Spaziergänger ohne Hund voneinander zu trennen. Früher, so dürfte man meinen, hatten die Menschen andere Sorgen, als sich über ihre Haustiere zu zanken.

Ein wenig ist der Streit zwar nachvollziehbar, denn Erholungsgebiete wie Wälder, Parks und Wiesen gibt es hier ja kaum – da kann es für alle ganz schön eng werden. Was zu folgender Frage führt: Reichen denn die paar geplanten Büsche und der Drahtzaun im Tribschen, um die beiden Gruppen zu separieren? Wäre eine Steinwand nicht vernünftiger? Vermutlich ja. Für den Bau des Mauerwerks bräuchte es dann sicherlich einen Architekturwettbewerb, wobei das Siegerbüro punkto Hunde neutral sein müsste. (Was das genau heisst, wäre Interpretationssache der Behörden. Vermutlich wäre der Besitz einer Katze ideal.)

Man bedenke ausserdem die kommerziellen Möglichkeiten, die in diesem Vorhaben schlummern: Die Mauer könnte Teil der Sightseeing-Tour der Chinesen werden! In China, wo Tierschutz etwas weniger streng geregelt ist, dürfte man kaum glauben, dass Hunde hier extra eine Grünfläche inklusive Badeplatz am See erhalten. «Ein Blick auf die Freilaufhunde für nur 5 Franken!», könnte es im Reiseprogramm heissen. Im Kiosk nebenan gäbe es dann noch Postkarten von Fido und Struppi zu kaufen. Zum Tribschen müssten die Touristen freilich per Schiff anreisen. Bis die Mauer stünde, wären wohl alle Cars aus der Stadt verbannt.

Kritisch wird es, wenn die Zone Begehrlichkeiten bei anderen Interessensgruppen wie Joggern oder Reitern weckt. Plötzlich würden gar Velofahrer nach einer eigenen Velowiese rufen! Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht glätten sich die Wogen, und die Menschen leben eines Tages wieder in harmonischer Koexistenz. Dann könnte man die Hundemauer getrost abreissen – wobei da sicher der Denkmalschutz protestieren würde.

Gabriela Jordan

Ressort Stadt/Region Luzern

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch


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