Widerstand gegen Abrisspläne

HERDSCHWAND ⋅ Die Gemeinde Emmen will das ehemalige Heim vorzeitig zurückbauen. Das Komitee für den Erhalt der Gebäude ist schockiert und strebt eine erneute Volksabstimmung an.
12. Juni 2017, 00:00

Ernst Zimmerli

ernst.zimmerli@luzernerzeitung.ch

Am 31. August endet die Zwischennutzung des ehemaligen Alters- und Pflegeheims Herdschwand in Emmen. Dort ist derzeit die Gesellschaft Altersheim Unterlöchli Luzern untergebracht. Nach deren Auszug sollen die Gebäude abgerissen werden, wie der Gemeinderat mitteilt. Er beantragt dafür beim Einwohnerrat einen Kredit von 1,5 Millionen Franken. Nach dem definitiven Verkauf des Grundstücks soll der neue Eigentümer diesen Betrag an die Gemeinde wieder zurückzahlen.

Der Abriss soll erfolgen, obwohl der Prozess für die Umzonung und die Erarbeitung des Bebauungsplans für das Neubauprojekt «Neuschwand» noch nicht abgeschlossen ist. Der vorgesehene Termin für die Über­gabe an die Losinger Marazzi AG am 1. September sei nicht mehr realistisch. Wäre da nicht eine Zwischennutzung möglich? «Der Gemeinderat hat weitere Nutzungsmöglichkeiten für die nächsten 13 bis 19 Monate bis zu einem Baustart des Projekts ‹Neuschwand› sehr sorgfältig geprüft», sagt der Emmer Bau­direktor Josef Schmidli (CVP). Letztendlich sei der Rückbau aber die beste Option.

Kein Bedarf an Plätzen für Asylsuchende

Naheliegend wäre eine weitere Zwischennutzung durch Pflegeheime gewesen. Jedoch habe man keinen Partner gefunden, dem der Zeitpunkt passe. Andere Ideen wie Wohnungen oder Räume für Kreative und Start-ups scheiterten an den aktuellen Zonenbestimmungen oder den hohen Investitions- und Unterhaltskosten. Betrieb und Unterhalt würden pro Jahr rund 400 000 bis 500 000 Franken kosten, so der Gemeinderat.

Auch eine temporäre Asylunterkunft sei zur Diskussion gestanden. Eine solche habe der Kanton Luzern jedoch aufgrund des fehlenden Bedarfs an Asylplätzen, des befristeten Zeithorizonts und der bereits erwähnten hohen Investitions- und Betriebskosten abgelehnt. Letztere seien auch der Grund, warum die Gemeinde selbst nicht als Vermieterin Verantwortung übernehmen will. Das Betriebsrisiko sei zu hoch.

Weiter habe der Gemeinderat die beiden Varianten Stilllegung und Verriegelung geprüft. Er rechnet bei einer Stilllegung mit Kosten von 160 000 Franken. Bei einer Verriegelung fielen zusätzlich Kosten an, um das ganze Gelände zusätzlich mit einem verschraubten Gitterzaun zu schützen oder sämtliche Eingänge und Fenster bei allen Gebäuden zu verriegeln. Dies hätte Kosten von rund 220 000 Franken zur Folge. Daher sei der Rückbau die wirtschaftlichste Lösung.

«Gemeinde will vollendete Tatsachen schaffen»

Wenig Verständnis für die Pläne des Gemeinderats hat man beim Komitee «Herdschwand erhalten – zum Nutzen aller». «Ich bin schockiert! Das darf doch nicht wahr sein», sagt Rolf Stähli, Präsident des Komitees. «Damit will die Gemeinde vollendete Tatsachen schaffen, noch bevor das Geschäft abgeschlossen ist.» Die Gemeinde habe einfach Angst, das Projekt nicht durchzubringen, so Stähli weiter.

In der Tat geht die Gemeinde mit dem geplanten Abriss vom derzeit vorliegenden Projekt «Neuschwand» aus. Dieses sieht sich beträchtlicher Opposition ausgesetzt – nicht zuletzt durch das Komitee «Herdschwand erhalten – zum Nutzen aller» (wir berichteten). Dieses vertritt vehement die Meinung, dass mit dem Verkauf des Baulands «wertvolles Volksvermögen verschleudert wird», wie Stähli es ausdrückt. Wesentlich besser wäre es aus Sicht des Komitees, das Land im Baurecht abzugeben, da der nun aufgerufene Preis viel zu tief sei. Dieser wurde wegen reduzierter Gebäudevolumen von 18 auf 16,5 Millionen Franken heruntergesetzt (Ausgabe vom 17. März).

«Wir werden sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen, um den Abriss zu verhindern», sagt Stähli. So prüft das Komitee auf jeden Fall, gegen diesen Beschluss wie auch gegen den Bebauungsplan und gegen die Umzonung das Referendum zu ergreifen. Doch zunächst wird der Einwohnerrat an seiner Sitzung vom 4. Juli den Bericht und Antrag des Gemeinderates behandeln.

Übrigens soll nicht die ganze Herdschwand-Anlage abgerissen werden. Geplant ist, dass das bestehende Personalhaus im Neubauprojekt «Neuschwand» integriert wird. Eine minimale Beheizung sowie gewisse Schutzmassnahmen sind daher in jedem Fall erforderlich, um die Bausubstanz zu erhalten. Sonst würde der Verkaufserlös für die Gemeinde weiter sinken.

«Wir werden sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen, um den Abriss zu verhindern.»

Rolf Stähli

Komitee «Herdschwand erhalten – zum Nutzen aller!»


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