«Wir wollen die Erwartungen erfüllen»

EBIKON ⋅ Die Eröffnung der Mall of Switzerland wird Jan Wengeler lange in Erinnerung bleiben. Der Mall-Direktor ist rundum zufrieden mit dem ersten Tag. Eine Bestätigung seiner Arbeit, die schon vor langem begonnen hat – und doch erst jetzt richtig anfängt.
09. November 2017, 00:00

Interview: Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Jan Wengeler ist ein guter Verkäufer, ein Entertainer, ein Showman: Gestern Morgen stand er auf der Bühne vor der Mall of Switzerland in Ebikon. Vor sich ein rotes Band, in der Hand eine Schere. Den Hunderten Schaulustigen auf dem Platz vor der Bühne ruft er zu: «Kommt schon, wir starten den Countdown.» Dann zählt er: zehn, neun, acht. «Ich kann euch nicht hören», schreit er dem Publikum zu, das sich noch zurückhält. Sieben, sechs, fünf. Die Stimmen werden lauter. Wengeler sind sie zu leise: «Los, kommt schon!» Jetzt ertönt der Countdown laut und deutlich aus Hunderten Mündern. Zusammen mit ihnen zählt der frischgebackene Mall-Direktor die letzten Sekunden herunter: «Drei, zwei, eins, null!» Die Schere erfüllt ihren Zweck, ein Knall erschallt: Feuerwerk, Rauch, Konfetti.

Wenige Stunden später steht Jan Wengeler im obersten Stock der Mall of Switzerland: blauer Anzug, blonde Haare, gepflegte Frisur, noch gepflegteres Lächeln. Um ihn herum herrscht reger Betrieb. Neugierig streifen die Leute durch das Einkaufszentrum, begutachten die Geschäfte und Angebote. Wengeler sieht zu. Und lächelt.

Jan Wengeler, heute morgen haben Sie die Mall eröffnet. Auf einer Skala von 0 bis 10 – wie zufrieden sind Sie?

Elf, mindestens. Die Atmosphäre ist sehr, sehr angenehm, die Leute sind entspannt. Und vor allem: Bis jetzt ist bis auf einen kurzen Fehlalarm ohne Folgen und zwei, drei Kleinigkeiten alles reibungslos abgelaufen.

Tatsächlich?

Mir ist jedenfalls nichts Bedeutendes zu Ohren gekommen. Und auch, falls etwas nicht ganz geglückt sein sollte, haben es die Kunden nicht gemerkt. Das ist das Wichtigste (lacht).

Heute ist auch für Sie ein spezieller Tag: Als neuer Direktor stehen Sie im Rampenlicht, alle wollen etwas von Ihnen. Anstrengend?

Nein, im Gegenteil. Es ist sehr, sehr schön. Anstrengend war die ganze Vorbereitung. Letzte Woche habe ich nie länger als vier Stunden pro Nacht geschlafen. Die Eröffnung von heute ist die Belohnung für unsere Mühen. Als ich am Morgen auf dieser Bühne stand und das Band durchschneiden konnte, war das ein unglaubliches Gefühl.

Bis es so weit war, dauerte es Jahre. Es wurde viel Arbeit und Energie in das Projekt gesteckt. Jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen, und die Mall muss sich bei den Kunden bewähren. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Wir geben alles, damit eintritt, was alle von uns erwarten. Deshalb haben wir auch ein Auge darauf, wo wir uns verbessern können – falls das notwendig sein wird.

Sie hatten also schon erste Rück­meldungen Ihrer Mieter?

Nein, dafür ist es noch zu früh. Aber in den nächsten Tagen werden wir die Rückmeldungen erhalten und das Feedback auswerten.

Nicht nur die Mieter müssen zu­frieden sein, auch die Kunden. Pro Jahr will die Mall 5 Millionen Besucher ausweisen können. ­Manche Experten halten das nicht für realistisch.

Ich schon. 5 Millionen ist eine absolut realistische Zahl. Aber man muss auch bedenken, dass sich ein Shoppingcenter über drei bis fünf Jahre entwickelt. Die Leute gehen jetzt noch andernorts einkaufen. Wir müssen sie davon überzeugen, dass sich ein Einkauf bei uns für sie lohnt. Das wird die grosse Herausforderung für die Zukunft sein.

Was uns zum Verdrängungseffekt führt, den Ihre Konkurrenten fürchten.

Es wird zu einer Umverteilung kommen. Aber wir gehen nicht davon aus, dass die Luzerner Innenstadt direkt betroffen sein wird. Luzern hat mit dem Vierwaldstättersee, der Aussicht auf den Pilatus, der Altstadt samt und der Kapellbrücke genügend Argumente, die für sich sprechen. Aber bei den Shoppingcentern in der Agglomeration wird es eine Umverteilung geben.


Leserkommentare

Anzeige: