Augen richten sich auf Frankreich

02. Dezember 2016, 00:00

Studie Autoritärer Populismus könnte einer Studie des britischen Forschungsinstituts YouGov zufolge die bestimmende politische Kraft der Zukunft in Europa werden. Als autoritären Populismus bezeichnen die Studienautoren einen Politikstil, der bestimmte Kernwerte vereint: eine zynische Einstellung gegenüber den Menschenrechten, die Ablehnung von Immigration, EU-Feindlichkeit und eine stark auf Verteidigung ausgerichtete Aussenpolitik.

Die Ergebnisse werten die Autoren als Potenziale für die künftigen Wahlerfolge populistischer Parteien. In fünf der untersuchten Länder teilt mindestens die Hälfte der Wähler Einstellungen, die von autoritär-populistischen Parteien wie dem Front National bedient werden. Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass sich in neun der untersuchten Länder die Mehrheit der populistisch eingestellten Wahlberechtigten als politisch rechts einordnet. Eine Ausnahme bilden Italien, Rumänien und Litauen, wo populistisch eingestellte Wähler eher dem linken politischen Lager zugewandt sind.

Die von populistisch eingestellten Wählern ausgehenden Potenziale bedrohen gemäss der Studie den liberalen Konsens in Europa. «Eine politische Partei, die es schafft, die Wähler mit autoritär-populistischen Einstellungen erfolgreich hinter sich zu vereinen, könnte nicht nur das Land, sondern die gesamte Europäische Union verändern», sagt Joe Twyman, der die Abteilung «Political and Social Research» bei YouGov leitet.

Aktuell sei die Bedrohung des liberalen Konsenses durch den autoritären Populismus nirgendwo so gross wie in Frankreich, erklären die Forscher. Dort befindet sich der drittgrösste Anteil populistisch eingestellter Wähler in den untersuchten Ländern. Sie könnten bei der im Frühling anstehenden Präsidentschaftswahl demnach wahlentscheidend sein – und dem Front National nutzen.

Isabelle Daniel


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