Bargeld bleibt trotz Bankkarten gefragt

21. März 2017, 00:00

Zahlungsmittel Schweizerinnen und Schweizer lieben Bargeld: Obwohl Debit- und Kreditkarten weit verbreitet sind, werden an Geldautomaten noch immer häufig Banknoten bezogen. Die Anzahl Transaktionen und das Volumen der abgehobenen Geldbeträge ist im vergangenen Jahrzehnt weiter gestiegen. Erst seit zwei Jahren gibt es eine leichte Abschwächung.

Im Dezember 2016 wurde in der Schweiz 11 Millionen Mal mit einer Debitkarte an einem Geldautomaten Bargeld abgehoben. Gegenüber den beiden Vorjahren ist dies ein leichter Rückgang. Dies geht aus Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hervor. Im Dezember 2015 gab es 11,17 Millionen Bargeldbezüge, im Dezember 2014 waren es 11,06 Millionen Transaktionen an Geldautomaten. Vergleicht man die Zahlen allerdings über einen Zeitraum von zehn Jahren, so stellt man einen starken Anstieg fest. 2006 hatten Konsumenten in der Schweiz 9 Millionen Mal Banknoten an Geldautomaten bezogen.

Auch die Beträge, die mit Debitkarten abgehoben werden, sind kleiner geworden. Im Dezember 2016 waren es 2,735 Milliarden Franken im Vergleich zu 2,743 Milliarden im Vorjahresmonat. Aber auch hier ist – verglichen in einem Jahrzehnt – eine starke Zunahme zu beobachten: 2006 hatte das Niveau noch bei 2,181 Milliarden Franken gelegen. Zudem hat sich die durchschnittlich abgehobene Summe etwas vergrössert: Im Dezember 2016 belief sie sich auf 249Franken, im Vergleich zu 241 Franken Ende 2006.

Romands mögen Cash

Allen Unkenrufen zum Trotz hat Bargeld offenbar noch immer eine grosse Zukunft vor sich. «Die Gerüchte über den Tod des Bargeldes sind stark übertrieben», sagte SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg kürzlich in einer Rede. Er begründete dies damit, dass Zuverlässigkeit und Datenschutz die Nachfrage nach Bargeld aufrechterhalten liessen. Zudem hat sich die Nachfrage nach Bargeld seit der Einführung von Negativzinsen erhöht.

Ein Trend, den auch die Raiffeisenbank konstatiert. 2016 ist die Zahl der Bargeldbezüge um 1,3 Prozent gestiegen, nachdem 2015 noch ein leichtes Minus von 0,2 Prozent resultierte hatte. Kleiner wurde im Durchschnitt bei der Raiff­eisen der bezogene Geldbetrag, wie Raiff­eisen-Sprecher Philippe Thevoz gegenüber der SDA sagt. Bei der Post­finance ist die Zahl der Transaktionen an Postomaten bis 2014 stetig gewachsen. Aber in den letzten zwei Jahren habe der Trend ebenfalls leicht gedreht, stellt Postfinance-Sprecher Johannes Möri fest.

Die Grossbanken machen die gleiche Beobachtung. Jean-Raphael Fontannaz, Sprecher der grössten Schweizer Bank, UBS, hält zudem fest, dass die Geldautomaten in der französischsprachigen Schweiz öfter benutzt werden als in der deutschsprachigen Schweiz. Dies sei vermutlich eine Frage der Mentalität. Bei der Raiffeisenbank stellt man ausserdem fest, dass in den ländlichen Gebieten mehr Bargeld bezogen und verwendet wird als in den Städten.

Je nach Alter der Kunden unterscheiden sich auch die Geldbeträge. «Jüngere Menschen, die oft über weniger Mittel verfügen, beziehen meist kleinere Summen», sagt UBS-Sprecher Fontannaz. Jüngere Kunden zücken ferner auch eher ihre Debitkarte, um kleinere Posten bargeldlos zu begleichen, fügt Credit-Suisse-Sprecher Jean-Paul Darbellay hinzu. (sda)


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