Erben der Revolution – von Playboy bis Physiker

30. November 2016, 00:00

Castro-Kinder Sie sind ein eingeschworener Clan, die Castros. Schon zu Lebzeiten führte nichts an Fidel und seinem jüngeren Bruder Raúl vorbei. Keine wegweisende Entscheidung, die seit dem Sieg der Revolution 1959 ohne Zustimmung der Castros getroffen worden wäre. Schlecht erging es denjenigen, die ihnen widersprachen, sich widersetzten oder andere Ideen hatten. Fidels Ex-Frau Mirta Diaz-Balart endete deshalb im Exil in Miami, ebenso wie seine Schwester Juana, die ihn ein «Monster» nannte.

Wenig schmeichelnde Worte fand auch seine Tochter Alina, 1953 geboren, die 1993 in Männerkleidern nach Miami geflüchtet war.

Nachwuchs stand lange abseits des Rampenlichts

Die Loyalität innerhalb des Clans hatte oberste Priorität. Dafür sorgte Raúl, der Organisator von Familientreffen. Wenig im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand bislang der umfangreiche Nachwuchs der Castro-Brüder. Das könnte sich mit dem Tode Fidels ändern, denn auch ­Fidels Testamentsverwalter Raúl ist mit 85 nicht der Jüngste und will ausserdem 2018 als Staats- und Regierungschef nicht erneut kandidieren. Eine Übersicht über die junge Garde der Castros:

Fidelito Castro Diaz-Balart, 67 Jahre, Atomphysiker und hervorgegangen aus der Ehe Fidels mit Diaz-Balart, ist ebenso gross wie sein Vater und ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Er studierte in der damaligen UdSSR Atomphysik und erhielt zwei Doktortitel. Mit Anfang 30 wurde er 1980 Generalsekretär der Atomenergiekommission Kubas und mit dem wichtigsten Projekt beauftragt: dem Bau des ersten Atomreaktors. Der wurde allerdings wegen finanzieller Engpässe nie fertig. Heute ist Fidelito Professor und Koordinator an der Kubanischen Akademie der Wissenschaften.

Ebenfalls dem Luxus zugetan ist Antonio Soto del Valle, der bekannteste der fünf Söhne aus Fidels letzter Ehe mit der blonden, grünäugigen Lehrerin Delia Soto del Valle. Der 47-jährige Chirurg und Orthopäde ist Vorsitzender der kubanischen und der internationalen Baseball-Vereinigung. Ansonsten ist er immer wieder wegen seines ausschweifenden Lebensstils in den Schlagzeilen.

Ebenfalls eher der Boheme zugerechnet wird Fidel Castros Lieblingsfotograf, sein Sohn Alex, der öfter auf kulturellen Events gesehen wird und kürzlich erklärte, die einstige Imperialistenbrause Coca-Cola sei auf Kuba willkommen. Geboren 1963, zweitältester Sohn aus der Beziehung mit Soto del Valle, studierte er in Moskau Informatik und Ingenieurswesen, machte dann aber sein Hobby Fotografieren zum Beruf und folgte seinem Vater auf Schritt und Tritt.

Der älteste Sohn des Castro-Soto-Clans, Alexis (1962), und der zweitjüngste, Alejandro (1971), sind beide Computerexperten. Alexis gilt als Oldtimer-Freak und Fan alter Mercedes-­Limousinen. Der jüngste, Angel (1974), ist Arzt. Alle haben gut dotierte Staatsposten, treten aber öffentlich wenig in Erscheinung.

Zu den politisch engagiertesten Sprösslingen gehören zwei der vier Kinder, die Raúl Castro mit seiner langjährigen Frau, der 2007 verstorbenen Vorsitzenden des Frauenverbands, Vilma Espín, hatte. Da ist zum einen:

Mariela Castro Espín. Die 53-jährige Psychologin war eine der Ersten, die die Verfolgung Homosexueller in den 1970er- und 1980er-Jahren anprangerte und das Thema salonfähig machte. Verheiratet ist sie in zweiter Ehe mit einem italienischen Unternehmer. Sie leitete das Zentrum für Sexualerziehung. Ihrem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass die Diskriminierung heute auf Kuba geächtet ist.

Alejandro Castro Espín. Der 51-jährige Sohn Raúls ist Offizier der kubanischen Streitkräfte und hält einen Doktor in Politischer Wissenschaft. Er gilt seit längerem als die rechte Hand seines Vaters. Für viele ist der kühl kalkulierende Stratege der eigentliche Kronprinz, der über das Erbe der Castros wachen soll. Seine militärischen Sporen verdiente er sich im Krieg in Angola, wo er bei einer Militärübung auf einem Auge erblindete. Offiziell gilt er als «Berater» im einflussreichen Nationalen Verteidigungsrat. Als solcher reist er ins Ausland, schmiedet Kontakte zu Verbündeten wie der griechischen Syriza-Partei und war einer der Berater, die an der heiklen Normalisierung der Beziehungen zu den USA arbeiteten.

Ebenfalls als einflussreich gilt der ehemalige Ehemann von Tochter Deborah Castro Espín, der Offizier Luis Alberto Fernández, Mitte 40 und Sohn eines Generals. Er gilt als intelligent, effizient und loyal und steht der militärischen Holding Gaesa vor, welche die Geschäfte und Joint Ventures der Militärs im Tourismus und Handel kontrolliert. Er überwacht damit ein weit verzweigtes Netz von Geschäftsbeziehungen, die über Mexiko und Panama bis nach Angola, Südafrika, Zypern und Genf reichen und rund 40 Prozent der kubanischen Deviseneinkünfte ausmachen.

Dass die Castro-Kinder exponierte Posten übernehmen, halten Beobachter für eher unwahrscheinlich. Um nicht den Eindruck einer Dynastie zu erwecken, werde Raúl zwar das materielle Auskommen des Clans sicherstellen, ihre politische Rolle aber begrenzen, sagte ein ­desertierter Assistent des Castro-Clans, Delfin Fernández, der US-amerikanischen Zeitung «Miami Herald».

Sandra Weiss/Puebla


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