Importe sind Trumps Berater ein Dorn im Auge

14. März 2017, 00:00

US-Handelsbilanz Unter Wirtschaftswissenschaftern stossen seine Thesen auf Ablehnung. Im Weissen Haus allerdings hat der Ökonom Peter Navarro (67) als Direktor des neu gegründeten Nationalen Handelsrates grossen Einfluss – auch wenn in Washington derzeit heftig darüber spekuliert wird, ob Navarro noch in der Gunst von Präsident Trump steht.

Navarro stellt sich auf den Standpunkt, dass ein Defizit in der Aussenhandelsbilanz per se schlecht ist – und die Regierung alles daransetzen müsse, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringen. Sonst drohe Amerika bald von fremden Mächten kontrolliert zu werden. Ein Dorn im Auge sind ihm vor allem jene Nationen, die zu unfairen Handelspraktiken greifen, um das Exportvolumen zu erhöhen. China ist ein solches Land, weil Peking die Währung manipuliere und Dumping betreibe, behauptet Navarro.

In der Tat belief sich der US-Handelsfehlbetrag gegenüber China im Jahr 2015 auf 367,4 Milliarden Dollar. Ganz zuoberst auf der schwarzen Liste Navarros befindet sich aber auch Deutschland. 2015 belief sich das Handelsdefizit gegenüber dem Export-Weltmeister aus Europa auf 75,3 Milliarden Dollar. Auch im Handel mit der Schweiz überwiegen aus der Sicht der USA die Importe gegenüber den Exporten (siehe Grafik). Nun ist Deutschland Teil der Europäischen Währungsunion, und theoretisch kann Berlin deshalb nicht vorgeworfen werden, die Währung zu manipulieren. Dies hindert Navarro aber nicht daran, Deutschland vorzuwerfen, seine Handelspartner auszunutzen. Kürzlich sagte er, Deutschland verstecke sich hinter der Währungsunion. Der Euro sei eine «implizite Deutsche Mark» und werde durch Berlin künstlich tiefgehalten, behauptete Navarro im Januar im Gespräch mit der «Financial Times». Deutschland sei deshalb «das schwierigste Handelsdefizit», mit dem sich die USA konfrontiert sehen.

Es sind solche Aussagen, die unter Ökonomen mit Skepsis und Spott kommentiert werden. So schrieb das «Wall Street Journal», dass Navarro falsche Prioritäten setze. Wachstum sei wichtiger als eine Debatte über das Handelsdefizit. Pointierter formulierte es Harvard-Ökonom Dani Rodrik: «Ich habe eine bessere Idee», schrieb er auf Twitter. «Warum verbieten wir nicht einfach sämtliche Importe?» Dies hätte zur Folge, dass Amerikas Wirtschaftswachstum explodieren würde – sollten Navarros Theorien der Wahrheit entsprechen.

Navarro wird solche Kritik egal sein, solange er seine Ideen im Weissen Haus verbreiten kann. Der Ökonom bürstet schon lange gegen den Strich. So machte er sich in den Neunzigerjahren in seiner Heimatstadt San Diego als Kritiker des damaligen Bauwahns einen Namen. Sein Traum aber, zum Stadtpräsidenten gewählt zu werden, platzte – weil Navarro, damals ein Demokrat, wenige Tage vor dem entscheidenden Wahltag seine politische Konkurrentin vor den Fernsehkameras zum Weinen brachte.

Renzo Ruf, Washington


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