Kopf des Tages

Jetzt hat auch der Vize genug

SAN FRANCISCO ⋅ Nach sieben Monaten ist bereits wieder Schluss: Uber-Vizechef Jeff Jones verlässt die Firma. Es ist nur eine von vielen Kontroversen beim US-Fahrdienst.
21. März 2017, 00:00

Es sei klar, dass seine Überzeugungen und Ansätze nicht mit dem vereinbar seien, was er bei Fahrdienstler Uber gesehen und erlebt habe – so erklärte Nummer zwei bei Uber, Jeff Jones, seinen am Sonntag angekündigten Abgang bei der Firma gegenüber dem Tech-Blog Recode. Jones hatte erst vor sieben Monaten seine Stelle bei Uber angetreten.Der Marketingfachmann war vom US-Handelsgiganten Target zu Uber gestossen, um dessen angeschlagenen Ruf zu verbessern.

Sein Abgang ist nur eine Kontroverse von vielen, die Uber schon seit Monaten plagen. Immer mehr ehemalige Mitarbeiter beklagen sich über das miserable Arbeitsklima, allen voran die Entwicklerin Susan Fowler, die 2015 bei Uber tätig war und schwere Sexismusvorwürfe gegen Uber erhob. Kurz darauf meldeten sich mehrere Angestellte, die das Arbeitsumfeld bei Uber als regelrecht toxisch beschreiben. Doch damit nicht genug: Anfang März erschien ein Video, in dem Uber-CEO Travis Kalanick mit einem seiner eigenen Fahrer in Streit gerät. Dieser wirft ihm vor, den Konkurrenzkampf gegen ähnliche Dienste wie zum Beispiel Lyft auf Kosten der Fahrer zu betreiben. Kalanick reagiert im Video zunächst ruhig, verliert dann aber die Fassung und antwortet, der Fahrer wolle keine Verantwortung für seine eigenen Angelegenheiten übernehmen. Kalanick galt bereits vorher als polarisierender und aggressiver Manager. Später entschuldigte er sich in einem Mail für seine Reaktion und gab zu, dass er Hilfe im Führen brauche.

In diesem Zusammenhang hatte Kalanick eine Umstrukturierung der Führungsspitze angekündigt. Konkret ist Uber auf der Suche nach einem COO, der das operative Geschäft leiten und betreuen soll – und den Jones vorgesetzt bekommen hätte. Jones’ Entscheidung, Uber zu verlassen, sei die Folge davon, erklärte Kalanick in einem Mail an seine Mitarbeiter. Dem sei aber nicht so, behaupten anonyme Quellen: Jones verlasse Uber, weil die momentane Situation viel problematischer sei als eingangs gedacht.

Ubers Dasein war nämlich von Anfang an ein Überlebenskampf. Das Taxigewerbe wehrte sich von Beginn an vehement gegen die junge Firma – und tut es auch heute noch, teils sogar mit gewaltsamen Protesten. In vielen Ländern geht die Konkurrenz juristisch gegen das Unternehmen vor. In der Schweiz ist Uber nur in Basel, Genf und Zürich tätig. Auch hier steht das Unternehmen in der Kritik: Die Gewerkschaften Unia, SEV und Syndicom kritisierten vor einer Woche die Zusammenarbeit von SBB und Post mit dem Fahrdienst, da Uber geltendes Schweizer Recht verletze. Der Konzern weigere sich trotz Suva-Einstufung, seine Angestellten als Arbeitnehmer anzuerkennen und Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten, hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung der Gewerkschaften.

Jones ist nicht der Erste, der dieses Jahr das Uber-Schiff verlassen hat. Seit Jahresbeginn haben mehrere Manager das Unternehmen verlassen. Auch der Chef der Kartenentwicklung, Brian McClendon, wird Ende Monat aussteigen – allerdings ohne böses Blut.

Federico Gagliano


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