Nach harten Kämpfen endlich am Ziel

BILDUNG ⋅ Die Wirtschafts- fakultät der Uni Luzern wurde gestern feierlich eröffnet. Der Weg dorthin war mit diversen Turbulenzen verbunden.

07. September 2016, 00:00

Ismail Osman

Die Uni Luzern hat nun also eine Wirtschaftsfakultät. Zu behaupten, der Weg hierher wäre steinig gewesen, wäre glatte Untertreibung. Ihre Existenzberechtigung wurde über die Jahre im Kantonsratssaal, in Leserforen und an Stammbeizen x-fach in Frage gestellt – und musste letztlich an der Urne geklärt werden (siehe Chronik unten).

Die Sterne, unter denen diese vierte Fakultät der Uni Luzern geschaffen wurde, standen also denkbar ungünstig. Und dennoch: Gestern konnte gefeiert werden. Bildungsdirektor Reto Wyss machte den rund 300 geladenen Gästen dann auch beliebt, dass man «heute mit gutem Gewissen etwas überschwänglich sein» dürfe. Der rund zweistündige Festakt gestaltete sich dann aber sehr gesittet mit einem eher formellen Anstrich. Die Eckpunkte einer solchen Feier wurden jedoch minutiös abgehakt: Es wurde wiederholt den vielen Unterstützern der Fakultät gedankt, Promis wie Olympia-Heldin Dominique Gisin und Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, kamen zu Wort, und irgendwo dazwischen wurde selbstverständlich noch ein rotes Band durchschnitten. Eine äusserst willkommene Prise Unberechenbarkeit liess Slam-Poetin Lara Stoll in den Abend einfliessen.

Mittelfristig 600 Studenten

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät startet in rund zwei Wochen mit sieben Professuren, vier ständigen Gastprofessoren und mit rund 200 Studenten, davon knapp 100 Neustudierenden, in das erste Semester. Erklärtes Ziel der neuen Fakultät war es, mit 100 bis 150 Neustudierenden zu starten. Die bestehenden Studenten sind solche des Fachs Politische Ökonomie, das bisher im Rahmen der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät angeboten wurde. Mittelfristig strebt man für die Fakultät 600 Studenten an. Die Uni Luzern zählt heute insgesamt rund 2800 Studenten. Nebst der Wirtschaftsfakultät führt die Uni drei weitere Fakultäten: Theologie, Kultur- und Sozialwissenschaften und Rechtswissenschaft.

Umstrittene Fremdfinanzierung

Einer der Knackpunkte in der Entstehungsgeschichte der neuen Fakultät: Im April 2013 wurde bekannt, dass der Kanton den Aufbau der Wirtschaftsfakultät aus Spargründen nicht finanziell unterstützen würde. Die Konsequenz: Der damalige Rektor Paul Richli musste sich auf Sponsorensuche begeben, um die nötigen 4 Millionen Franken aufzutreiben. Letztlich gelang es, rund 4,1 Millionen zu sammeln und damit den Aufbau zu sichern.

Diese Summe entspricht auch in etwa den Betriebskosten der neuen Fakultät: «Wir rechnen mit jährlichen Kosten von rund 4 Millionen Franken», sagt Uni-Sprecher Lukas Portmann. Diese Kosten könne die Fakultät selber decken, nämlich aus Beiträgen der Herkunftskantone für ihre Studierenden, Grundbeiträgen des Bundes für die Studierenden und für die Forschung sowie aus Studiengebühren.

Die Tatsache, dass der Aufbau der Wirtschaftsfakultät von Firmen, Stiftungen und Privaten finanziert wurde, wird derweil weiterhin mit Skepsis verfolgt werden. Ob und inwiefern die Freiheit von Forschung und Lehre tangiert werden könnten, ist aus heutiger Warte noch kaum sachlich einschätzbar.

Dasselbe gilt auch für die in der Vergangenheit wiederholt geäusserten Bedenken, dass das Studienangebot der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni jenes des bereits etablierten Wirtschaftsdepartements der Hochschule Luzern konkurrenzieren könnte.

Alle diese Nebengeräusche werden wohl nicht von heute auf morgen verstummen. Dafür wird auch in Zukunft noch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen. Gestern aber durfte eine neue Ära der Uni Luzern gefeiert werden. Eine, die, wenn es nach alt Rektor Paul Richli geht, auch «Raum für Querköpfe mit neuen Ideen» bietet.

Die Uni Luzern hat am Dienstagabend die neue Wirtschaftsfakultät offiziell eröffnet. Mit dabei waren Gründungsdekan Christoph Schaltegger, Rektor Bruno Staffelbach, Regierungsrat Reto Wyss und die Ansprache hielt der SNB-Präsident Thomas Jordan.


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