Privatklinikgruppe will mit ausländischen Unis kooperieren

19. November 2016, 00:00

Ärzteausbildung Wenn in der Schweiz von der ärztlichen Aus- und Weiterbildung die Rede ist, machen die Diskussionen oft an den Landesgrenzen Halt. Dies ist gleich aus zwei Gründen falsch: Erstens ist der Anteil der ausländischen Ärzte in der Schweiz schon heute hoch. So hoch, dass jeder dritte Arzt aus dem Ausland stammt – und der Ausländeranteil der Ärzte, die 2015 einen Facharzttitel erworben haben, inzwischen über 40 Prozent beträgt. Zweitens sind Ausbildungsreservoir und -ressourcen in der Schweiz offenkundig zu klein, um den steigenden Bedarf zu decken. Das Fazit ist eindeutig: Sowohl bei ausgebildeten als auch bei aus- und weiterzubildenden Ärzten empfiehlt sich der Blick über die Landesgrenzen hinaus.

So, wie es die Privatklinikgruppe Hirslanden tut. Frank Nehlig, Mediensprecher der Hirslanden AG in Zürich, bestätigt Informationen unserer Zeitung, dass die Gruppe bei der Ausbildung den Sprung über die Grenze prüft. Das heisst: Sie macht sich Gedanken dar­über, die Ärzteausbildung nicht mehr nur in der Schweiz, sondern mit akademischen Partnern im Ausland durchzuführen. Nehlig: «Wir sind mit ausländischen Universitäten im Gespräch.» Welche sind dies? Hirslanden hält sich bedeckt: Es würde indes nicht über­raschen, die Gruppe würde im östlichen EU-Raum fündig.

Was bereits im Tun ist: Seit rund einem Jahr läuft ein Programm mit der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich, bei dem ein Teil der klinischen Ausbildung der Studierenden an der Klinik Hirslanden stattfindet. Und es könnte weitere Vorhaben geben: «Hirslanden ist grundsätzlich für Kooperationen offen und an nationalen sowie internationalen Partnerschaften interessiert.» Allerdings seien die Einstiegshürden für private Listenspitäler aufgrund von diversen institutionellen Rahmenbedingungen in der Schweiz eher hoch, führt Nehlig aus. Was das in Bezug auf konkrete neue Vorhaben bedeutet, lässt er zum heutigen Zeitpunkt offen.

«Der drohende Hausärztemangel bereitet auch uns Sorgen»

Ob im In- oder im Ausland: «Es ist für Hirslanden unerlässlich, intensiv in die Ausbildung zu investieren, um auch in den kommenden Jahren genügend qualifiziertes Personal zu haben», betont Nehlig. Generell gehe es Hirslanden um die Ausbildung von angehenden Ärzten. «Dabei spielt die Unterscheidung Hausarzt versus Spezialist zunächst keine Rolle, da sie von der individuellen, später stattfindenden Entscheidung in der Weiterbildungsphase der Ärzte abhängt», führt der Mediensprecher aus. Die Privatklinikgruppe begrüsst das Engagement des Bundes denn auch. Ganz abgesehen davon, dass Hirslanden mit mehreren Weiterbildungsstätten in der inneren Medizin schon heute in der Ausbildung von Internisten tätig ist. Diese sind damit gerüstet, auch in der Hausarztmedizin tätig zu werden.

Was Nehlig damit zum Ausdruck bringt: «Der drohende Hausärztemangel bereitet auch uns Sorgen. Wir sehen beispielsweise, dass sich viele Patienten auch bei kleineren medizinischen Problemen direkt an die Notfallstationen der Kliniken wenden, da sie gar keinen Hausarzt haben», führt er aus. Ein Phänomen, das auch öffentliche Spitäler beobachten. «In unseren Praxiszentren versuchen wir deshalb eine Arbeitsstruktur zu schaffen, bei der Hausärzte ohne finanzielle Risiken in die Praxistätigkeit einsteigen können», sagt Nehlig.

Hirslanden umfasst 16 Kliniken in 11 Kantonen. Sie betreibt zudem 4 ambulante Praxiszentren, 14 Radiologie- und 4 Radiotherapieinstitute. Die Gruppe zählt gut 2030 Belegärzte und angestellte Ärzte sowie 8750 Mitarbeitende. Hirslanden ist gemäss eigener Aussage die führende Privatklinikgruppe der Schweiz. Sie wies im Geschäftsjahr 2015/16 einen Umsatz von 1, 647 Milliarden Franken aus. Hirslanden ist seit 2007 Teil der südafrikanischen Spitalgruppe Mediclinic.

Balz Bruder


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