Prosecco und Umsatzrekorde in der Luzerner Altstadt

26. November 2016, 00:00

Shopping Kichernd und mit Ballonen in den Händen schlenderten die vier Gymi-Schülerinnen Kim, Yael, Indra und Emilia gestern durch die Luzerner Altstadt. Ihr Ziel: Sie wollten schauen, welche guten Aktionen die Läden zu bieten hatten. In der Regel bleiben die Schülerinnen am Mittag in der Schule.

Doch gestern war der sogenannte Black Friday: ein Brauch aus den USA, der nun auch hier praktiziert wird. An diesem Tag – und das wissen die Teenager – gibt es in den meisten Geschäften Preisreduktionen. «Wenn wir heute Weihnachtsgeschenke finden, wäre das ideal», sind sich die vier 15-Jährigen einig. Wie hoch ihr Budget für Einkäufe ist, wissen sie selber nicht so genau. Ebenfalls unklar bleibt, ob die vier Freundinnen noch fündig geworden sind, bevor an der Kanti Musegg die Glocke geläutet und damit der Chemieunterricht begonnen hat.

Monika Kwasigroch wurde fündig: Die 28-Jährige hat den Kinderwagen ihres eineinhalb Jahre alten Sprosses voll beladen und mit zwei Ballonen flankiert, die für die Aktionen in den Geschäften werben. Die aus Polen stammende Frau, die seit der Geburt des Kindes hier wohnt, findet den Black Friday super. «Ich konnte vergünstigt Material für die Weihnachtsdekoration und Geschenke kaufen.» Sie sei via E-Mail vom Schuhgeschäft Dosenbach darauf aufmerksam geworden.

Doch nicht nur Frauen, die generell etwas shoppingaffiner sind als Männer, haben den Anlass gestern ausgekostet. Auch Ramon Bühl, ein 17-jähriger Lehrling aus Richenthal, war in der Mittagspause an der Manor-Kasse anzutreffen. «Eigentlich hatte ich vor, ein paar Kleidungsstücke zu kaufen. Nun musste ich aber feststellen, dass ich gar nichts brauche», sagt der junge Mann. Er verlässt das Geschäft mit ein paar neuen Farbstiften für die Berufsschule.

Für die Detailhändler ist der amerikanische Brauch ein gutes Geschäft, wie Felix Thöny, Direktor des Warenhauses Manor in Luzern, sagt: «An diesem Tag machen wir mehr Umsatz als an einem Weihnachtstag», sagt Felix Thöny. Er rechnet mit doppelt so viel Frequenz wie an einem regulären Freitag. Bei Manor erhielten die Kunden mit der Kundenkarte gestern zwischen 10 und 30 Prozent Rabatt.

Beim Kleidergeschäft C&A wurde man als Kunde gestern nicht nur mit Preisreduktionen verwöhnt. Die Angestellten schenkten Getränke aus und verteilen Snacks. Am Mittag wurde sogar Prosecco offeriert. Die Angestellten haben den Black Friday wörtlich umgesetzt. Alle Mitarbeiter trugen schwarze Kleidung, geschmückt mit einem goldenen Pin – identische Farben hatten auch die Ballone, die verteilt wurden. Inge Zibung, Detailhandelsfachfrau im C&A, sagt zum Event: «Die Aktion läuft sehr gut, wir haben deutlich mehr Kunden.» Zudem fügt sie an, dass die Stimmung heute «locker» sei. «Die Leute sind besonders gut gelaunt.»

«Das ist vorwiegend billige Werbung»

Franz Stalder, Präsident der Cityvereinigung, ist nicht begeistert vom Black Friday. «Ich finde, das ist vorwiegend auch billige Werbung, insbesondere dann, wenn der Rabatt an eine Bedingung geknüpft ist.» Und er fügt an: «Der Umsatz wird nur verlagert: Über die Tage vor und nach diesem Freitag wird wieder weniger gekauft.» Stalder, Inhaber des gleichnamigen Kaffeemaschinencenters in der Stadt Luzern, reduziert die Preise für seine Produkte nicht, wie er sagt. Er räumt aber ein, den Kunden gestern ein Zubehör geschenkt zu haben. Der Cityvereinigung sind rund 240 Geschäfte angeschlossen. Wie viele davon gestern Rabatt gewährten, weiss Stalder nicht. Er vermutet jedoch, dass die wenigsten Geschäfte dies getan haben.

Gemäss Lustat Statistik Luzern hatten im dritten Quartal über 40 Prozent der Luzerner Detailhändler weniger Kundschaft. Nun hoffen die Detaillisten auf ein gutes letztes Quartal: Jeder zweite geht von einem positiven Weihnachtsgeschäft aus, schreibt Lustat.

Yasmin Kunz


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