Trotz weniger Geld: Luzern will den Master

19. November 2016, 00:00

Gesundheitsversorgung Bis dato können Medizinstudenten nicht in Luzern ihre Ausbildung absolvieren. Das soll sich bereits ab Herbst 2017/18 ändern. Dann sollen die ersten Medizinstudenten an der Uni Luzern ausgebildet werden. Mit diesem neuen Studiengang soll dem Mangel an Grundversorgern begegnet werden (Ausgabe vom 12. November).

Die Universität Luzern kooperiert dabei mit der Universität Zürich. Grund für die Zusammenarbeit ist unter anderem, dass die Uni Luzern selbst keine Bachelorstudenten ausbildet. Um das gemeinsame Projekt zu realisieren, haben die Universitäten Luzern und Zürich vom 100-Millionen-Bundestopf einen Beitrag von rund 9 Millionen Franken beantragt. Der Hochschulrat, präsidiert von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann (FDP), hat gestern bekannt gegeben, das Projekt mit 7 Millionen zu unterstützen, also 2 Millionen weniger als geplant.

Reto Wyss, Bildungsdirektor des Kantons Luzern, sagt zum heutigen Entscheid: «Ich freue mich. Die 7 Millionen sind ein wichtiger Beitrag. Für Luzern eröffnet sich damit die Chance, die Kompetenzen, die vor Ort vorhanden sind, in einen Masterstudiengang einzubringen.» Zudem ist der CVP-Magistrat überzeugt, dass die Schweiz mit dieser Anschubfinanzierung die Ausbildungskapazität für die Mediziner deutlich erhöhen kann. In Luzern plant man, 40 Studienplätze zu schaffen.

Kanton zahlt jährlich 50000 Franken pro Student

Das Geld ist nun gesprochen. Wie geht es weiter mit dem Medical Master? «Nun werden die formalen Vereinbarungen zwischen den beiden Unis zum Abschluss gebracht», sagt Wyss. Anschliessend werde man sich mit der Ausgestaltung des Studiengangs befassen. «Ich bin zuversichtlich, dass dies gelingen wird.»

Fakt ist: Die 7 Millionen Franken sind eine Starthilfe, werden aber kaum alle Kosten decken können. Wie tief muss also der Kanton für die Realisierung des Medizinmasters in die Tasche greifen? Regierungsrat Wyss sagt dazu: «Der Kanton Luzern zahlt für jeden Luzerner Studierenden eine festgelegte Summe an die jeweils ausbildende Hochschule. Diese Mittel stehen für das Angebot zur Verfügung.» Aufgrund einer schweizerischen Vereinbarung zahlt der Kanton pro Medizinstudent in der klinischen Ausbildung – diese umfasst vier Jahre – jährlich rund 50 000 Franken. Wie diese Mittel auf die Projektpartner aufgeteilt werden, ist noch unklar. Ebenfalls offen ist, wie der Inhalt der Ausbildung definiert wird und wie lange der Vertrag zwischen den beiden Unis dauern soll. «Das liegt in der Zuständigkeit der beiden Universitäten», sagt Reto Wyss dazu.

Gemäss Lukas Portmann, Kommunikationsbeauftragter der Uni Luzern, liegt der konkrete Vertrag noch nicht vor. Deshalb könne man auch keine Angaben machen. Wyss hält fest: «Die Vereinbarung muss letztlich dem Luzerner und dem Zürcher Regierungsrat zur Genehmigung vorgelegt werden.» Weitere politische Beschlüsse seien derzeit nicht erforderlich, so der Bildungsdirektor.

Mehraufwand für die Partnerspitäler

Klarer scheint, welche Partner sich an der Ausbildung beteiligen werden, wie Reto Wyss sagt. Aktuell gehe er davon aus, dass das Luzerner Kantonsspital und die Luzerner Psychiatrie, das Paraplegiker-Zentrum in Nottwil, die Hirslanden-Klinik St. Anna sowie das Institut für Hausarztmedizin als Ausbildungspartner agieren werden. Zu welchen Rahmenbedingungen diese Partner eingespannt würden, sei nicht «abschliessend festgelegt», wie der Regierungsrat sagt. Er betont jedoch: «Für die Partner ist es sehr aufwendig und immer schwieriger, Personal zu rekrutieren. Darum haben die Kliniken grosses Interesse, mehr Medizinabschlüsse zu generieren.»

Martin Nufer, medizinischer Direktor der Hirslanden-Klinik St. Anna, sieht das ebenso: «Wir brauchen zwingend mehr Ärzte in der Schweiz. Wenn wir als Klinik im Interesse der Zentralschweizer Bevölkerung dazu etwas beitragen können, sind wir gerne bereit.» Klar, sei es für das Unternehmen eine Herausforderung, die mit zusätzlichen Kosten verbunden sei, sagt Nufer und fügt an: «Wir investieren in die Ausbildung aus Überzeugung und nicht aus Kalkül.» Zu den Aufwendungen macht er ein Beispiel: «Jeder Student braucht Betreuung. Dieses Personal müssen wir zur Verfügung stellen.» Eine weitere Herausforderung sei der Wettbewerb zwischen den Universitäten, da auch andere Kantone ihre Ausbildung für Ärzte erweiterten, erklärt er. Im Herbstsemester 2015/16 studierten 300 Luzerner an einer schweizerischen Universität Humanmedizin. 56 Studenten waren an der Uni Zürich eingeschrieben.

2023 sollen die Ersten ihr Diplom entgegennehmen

Ziel ist es, dass in Luzern schon bald angehende Ärztinnen und Ärzte die gesundheitswissenschaftlichen, praktischen und klinischen Ausbildungsmodule absolvieren. Obwohl es um ein Masterprogramm geht, werden auch Bachelorstudenten in Luzern einzelne Module besuchen können – dies soll bereits nächsten Herbst möglich sein. «Das erhöht die Chance, dass die Studenten nach ihrem Abschluss als Ärztinnen oder Ärzte im Kanton Luzern arbeiten werden», sagt Reto Wyss.

Die Ausbildung wird dabei grundsätzlich unter der akademischen Verantwortung der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich absolviert. Am Schluss verleihen die Unis allerdings ein sogenanntes Joint-Degree, ein gemeinsames Diplom. Das soll erstmals 2023 der Fall sein.

Yasmin Kunz


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