Von Theodor Heuss bis Joachim Gauck

15. November 2016, 00:00

Bundespräsidenten Voraussichtlich im März nächsten Jahres bekommt Schloss Bellevue einen neuen Bewohner. Frank-Walter Steinmeier wäre der dritte Sozialdemokrat im höchsten Staatsamt.

Theodor Heuss (1949–1959) galt als Glücksfall für die junge Republik. Seiner Amtsführung war es zu verdanken, dass das Amt des Bundespräsidenten hohes Ansehen erlangte. Dem Liberalen gelang es, Vorurteile der Weltöffentlichkeit gegen die Deutschen abzubauen.

Heinrich Lübke (1959–1969) legte einen Schwerpunkt auf die Entwicklungshilfe, er besuchte 35 Staaten. Für das höchste Amt im Staat hatte sich der CDU-Politiker nur widerstrebend zur Verfügung gestellt. Kritik wurde an seiner Tätigkeit während der NS-Zeit laut.

Gustav Heinemann (1969–1974) war ein eher wortkarger Bundespräsident. Der Sozialdemokrat wurde mit den Stimmen der damals oppositionellen FDP in das höchste Staatsamt gewählt, ein Vorzeichen für die spätere sozialliberale Koalition.

Walter Scheel (1974–1979) kam als zweiter Liberaler an die Spitze des Staates. Das volkstümliche Staatsoberhaupt scheute sich nicht, «Hoch auf dem gelben Wagen» zu sitzen und zu singen.

Karl Carstens (1979–1984) war ein Verfechter konservativer Werte wie Fleiss und Pflichtbewusstsein, Familie und Nationalstolz. Während seiner Amtszeit legte der CDU-Politiker als «Spaziergänger der Nation» über 1500 Kilometer in Wanderschuhen zurück.

Richard von Weizsäcker (1984–1994) erwarb sich den Ruf als Gewissen Deutschlands. Unvergessen bleibt seine Rede zum 8. Mai 1985, dem Jahrestag des Kriegsendes, in der sich der CDU-Politiker bedingungslos zur historischen Schuld der Deutschen bekannte.

Roman Herzog (1994–1999), der Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts, warb für Berlin als Regierungssitz. Bedeutsam war die Rede des Christ­demokraten, in der er mahnte: «Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.»

Johannes Rau (1999–2004), der langjährige SPD-NRW-Regierungschef, genannt «Bruder Johannes», galt als versöhnender Charakter. Rasch machte er deutlich, dass er auch Ansprechpartner für alle Bürger ausländischer Herkunft sein wolle.

Horst Köhler (2004–2010) war zuvor Chef des Internationalen Währungsfonds. Durch Beharrlichkeit und Offenheit erwarb er sich rasch Respekt. Er trat völlig überraschend zurück, nachdem er wegen Äusserungen zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in die Kritik geraten war.

Christian Wulff (2010–2012) war der Bundespräsident mit der kürzesten Amtszeit. Wulff legte einen Schwerpunkt auf das Thema Integration. Der CDU-­Politiker wurde aber nach rund 20 Monaten im Amt von Verfehlungen in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident eingeholt, angesichts staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen trat er zurück. Später wurde er freigesprochen.

Joachim Gauck (seit 2012) wurde mit Unterstützung fast aller Parteien gewählt. Gaucks Thema waren Freiheit und Verantwortung: Er forderte von Deutschland mehr aussenpolitischen Mut. In der Flüchtlingskrise brachte er seine Haltung auf den viel zitierten Nenner: «Unser Herz ist weit. Doch unsere Möglichkeiten sind endlich.» (sda)


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