Cassis – und wer noch?

BUNDESRATSRENNEN ⋅ Neben dem Tessin bringt sich auch die Romandie für die Burkhalter-Nachfolge in Position. Mehrere Anwärter prüfen eine Kandidatur.
01. Juli 2017, 00:00

Tobias Bär

Ignazio Cassis ist der Kronfavorit für die Nachfolge von Didier Burkhalter. Das war er schon am Tag von Burkhalters Rücktrittsankündigung vor zweieinhalb Wochen, und das ist er noch heute. Der 56-Jährige verfügt als Chef der FDP-Fraktion über den nötigen Leistungsausweis, spricht fliessend drei Landessprachen. Favorit ist Cassis zudem wegen seiner Tessiner Herkunft, der Südkanton wartet seit 1999 auf einen Bundesrat.

Der Mediziner will sich bis Mitte Juli entscheiden, ob er ins Rennen steigt. Zwar gelten auch die ehemalige Tessiner Finanz- und Wirtschaftsdirektorin Laura Sadis und ihr Nachfolger Christian Vitta als mögliche Anwärter. Doch wenn er will, dann dürfte Cassis der Kandidat der italienischen Schweiz sein, und zwar der einzige. Die Tessiner FDP hat diese Woche beschlossen, der Mutterpartei nur einen Namen vorzuschlagen. In Bern haben Exponenten von CVP und SP aber bereits lautstark eine «echte Auswahl» gefordert. Es ist kaum anzunehmen, dass die FDP der Bundesversammlung zum ersten Mal seit der Wahl von Kaspar Villiger im Jahr 1989 ein Einzelticket präsentieren wird. Gesucht sind deshalb ein oder zwei Freisinnige, die sich zusammen mit dem wahrscheinlichen Kandidaten Cassis zur Wahl stellen.

Kantone Waadt und Genf im Fokus

Der Blick richtet sich dabei in die Westschweiz, schliesslich gilt es, mit dem Neuenburger Burkhalter einen Romand zu ersetzen. Der Präsident der FDP Waadt, Frédéric Borloz, hat angekündigt, seine Kantonalpartei werde bei der Bundesratswahl eine Rolle spielen. In Frage kommen derzeit zwei Frauen: die 46-jährige Nationalrätin Isabelle Moret und die 57-jährige Regierungsrätin Jacqueline de Quattro. Moret will sich bis Ende Juli für oder gegen eine Kandidatur entscheiden, wie sie auf Anfrage sagt. Für de Quattro kommt ein Anlauf auf den Bundesrat nur in Frage, wenn Moret nicht will. Gegen eine Waadtländer Kandidatur spricht, dass der Kanton mit Guy Parmelin bereits in der Landesregierung vertreten ist. Zwar gehört die Klausel, gemäss der jeder Kanton jeweils nur einen Bundesrat stellen darf, der Vergangenheit an. Wenn neben den Bernern Johann Schneider-Ammann und Simonetta Sommaruga aber zwei weitere Bundesräte aus demselben Kanton kämen, dann wäre das doch eine ziemliche Ballung.

Ob auch die Genfer FDP einen Vorschlag einreicht, hängt gemäss Präsident Alexandre de Senarclens von zwei Männern ab: Nationalrat Christian Lüscher und Regierungsrat Pierre Maudet. Lüscher verkündete diese Woche, er prüfe eine Kandidatur. Es wäre der zweite Anlauf des 53-Jährigen, nachdem er im Jahr 2009 gegen Burkhalter den Kürzeren gezogen hatte. Der erst 39-jährige Maudet hielt sich bislang bedeckt, er soll sich aber ebenfalls für die Burkhalter-Nachfolge interessieren. Eine Kandidatur nicht ausschliessen will zudem der Genfer Nationalrat Benoît Genecand, wie er auf Anfrage sagt. «Ich warte ab, was Pierre Maudet und Christian Lüscher machen.»

Eher unwahrscheinlich ist eine Kandidatur aus der Deutschschweiz. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Didier Burkhalter dürfte aus der lateinischen Schweiz kommen.


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