Der heimliche Gewinner

21. September 2017, 00:00

Westschweiz Während Monaten hatten Pierre Maudet und Isabelle Moret für sich geworben, gestern sind ihre Bundesratsträume geplatzt – zumindest vorerst. Beide zeigten sich zwar enttäuscht, als Verlierer wollten sie aber nicht gesehen werden. Maudet zitierte den Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela: «Ich verliere nie: Entweder gewinne ich oder ich lerne.» Die Kandidatur habe sich gelohnt, sagte er. «Der Wahlkampf war sehr positiv, er wird mich in künftige Gefechte tragen.»

Dem als Aussenseiter gestarteten Maudet gelang dank eines beispiellosen Wahlkampfes ein respektables Resultat. Innert kurzer Zeit ist der 39-jährige Genfer Regierungsrat zum bekannten Shootingstar aufgestiegen – und brachte sich damit in Stellung für die Zukunft. Der Genfer FDP-Nationalrat Christian Lüscher spekulierte gestern, Maudet könnte in sechs Jahren für den Ständerat kandidieren, später vielleicht erneut für den Bundesrat. Maudet selbst äusserte sich nicht näher zu seinen Plänen. Aber er versicherte den Journalisten im Bundeshaus: «Es wird nicht das letzte Mal sein, das Sie von mir hören werden.» Zwar werde sich die Gelegenheit, Bundesrat zu werden, so schnell nicht mehr ergeben. «Aber sag niemals nie», fügte er an.

Auch die Waadtländer Nationalrätin Moret konnte ihrer Kandidatur trotz der Niederlage Positives abgewinnen. Als erste Bundesratskandidatin mit schulpflichtigen Kindern habe sie eine Pionierrolle eingenommen. «Es war wichtig für mich, das zu zeigen», sagte sie. Zudem habe sie an Respekt bei den anderen Parteien gewonnen.

Als Verlierer standen gestern die Linke und die Romandie da. Mit der Wahl des Tessiners Ignazio Cassis endet die Übervertretung der Westschweizer im Bundesrat: Seit der Wahl von Guy Parmelin vor knapp zwei Jahren hat die Romandie drei Bundesräte – eine seltene historische Ausnahme, die nun bald Geschichte ist. Die SP wiederum schaffte es nicht, Cassis zu verhindern. SP-Präsident Christian Levrat versuchte die Niederlage schönzureden: Immerhin werde mit Cassis erstmals ein Secondo Bundesrat – «ausgerechnet dank der SVP». Das ändert allerdings nichts daran, dass die SP diesmal keinen Weg fand, auf die Wahl Einfluss zu nehmen. (mjb)


Leserkommentare

Anzeige: