Chefsache

Geplatzte Ansiedlung

20. Mai 2017, 00:00

Der Gemeinderat im luzernischen Triengen dürfte aufatmen. Die Firma Bodum AG bleibt im Dorf. Der weltweit tätige dänische Hersteller von Geschirr und Küchenutensilien wird seinen Hauptsitz nämlich nicht in die Stadt Luzern verlegen, wie im Umfeld der Besitzerfamilie zu vernehmen ist. Doch genau dies war das Ziel der seit vielen Jahren hier lebenden Familie von Jorgen Bodum. Nun sind die Verhandlungen um Abriss und Neubau einer der beiden alten Villen an der Obergrundstrasse geplatzt. Die Gespräche zwischen der selbstbewussten Firma und den Behörden sind wohl nicht einfach. Ortsbildschutzzone, Hausbesetzungen und Räumungen, ein diktierter Architekturwettbewerb... Die Bodum-Vertreter sprechen von «immer neuen und zusätzlichen Anforderungen». Die Stadt Luzern ist in Sachen Bauplanung bekanntlich nicht immer so zuverlässig, wie sie sein könnte. Das schleppend verlaufende Aufstockungsprojekt am Hauptsitz der Luzerner Kantonalbank lässt grüssen. Es braucht im Fall Bodum, wie bei der LUKB, wohl öffentlichen Druck, damit behördenseitig der nötige Pragmatismus zurückkehrt.

Im Fall Bodum sind politisch motivierte ­Unwahrheiten portiert worden. Beispiel: Der Besitzer lasse das Gebäude zwecks Abriss extra verlottern. Fakt ist: Bodum ist erst seit Dezember 2013 Besitzer, das liefe dann wohl unter Hochgeschwindigkeitsverlotterung. Und: Gemäss Stadt ist der Abriss zulässig. Hausbesetzerfieber, Zwischennutzungsforderungen – die SP/Juso-Fraktion versteigt sich gar dazu, per Vorstoss zu verlangen, dass der Stadtrat die Entscheidungshoheit über eine polizeiliche Räumung von besetzten, privaten (!) Häusern erlangen soll. Bedenklich, wenn demokratische Grundrechte, hier das Eigentumsrecht, zur Manövriermasse degradiert werden.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch


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