Kraftfutter für das Gehirn

Günstig denken gelernt

03. Juli 2017, 00:00

Es gibt wohl keine kostengünstigere Art, das Denken zu lernen. In meinem Fall mit den Bändchen «Was ist Aufklärung?» und dem Schopenhauer-best-of «Welt und Mensch». Darin geht es nicht um komplizierte philosophische Fachdiskussionen, sondern um die schlichte Frage, ob man mit gutem Grund die Welt optimistisch sehen dürfe oder ob der Pessimismus das Leben realis­tischer zeige. Der Aufklärer Immanuel Kant forderte Selbstdenken und schränkte dieses gleich ein: Seid in Beruf und Staat gehorsam, aber veröffentlicht in eurer Freizeit vernünf­tige Gedanken! Ihm schwebte Pressefreiheit als Plattform für Gelehrte vor. Kant war kein Revolutionär. Er vertraute darauf, dass kluge Texte allmählich zuerst die Menschen und letztlich die Politik verbessern. Tönt sympathisch friedliebend. Wie aber verhält man sich in einer Diktatur? Und was bedeutet überhaupt «Vernunft»?

Optimismus kann man leicht als naiv verspotten. Der Pessimist Arthur Schopenhauer sah den Menschen als stupides, egoistisches Wesen: «Zweck unseres Daseins ist die Erkenntnis, dass wir besser nicht da wären.» Die Erfahrung zeige: «Jeder Genuss ist ein halber, jede Erleichterung neue Beschwerde.» Wie kann man Optimist sein, ohne naiv zu werden? Schafft man es, den eigenen Pessimismus auszuhalten, ohne Zyniker zu werden? Darüber nachzudenken bleibt eine lebenslange Aufgabe. Die kleinen Gelben bieten erschwingliche Inspiration.

Hansruedi Kugler


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