Chefsache

Wachstumsschmerzen

01. Juli 2017, 00:00

4500 Wohnungen. Allein mit den neun grössten Bauprojekten wächst das Wohnangebot in der Agglomeration Luzern in den nächsten vier, fünf Jahren massiv. Die Schwerpunkte liegen in Emmen, Kriens und Horw sowie im Rontal. Der Bauboom ist auch dem prognostizierten Bevölkerungswachstum im Kanton Luzern geschuldet. 1 Prozent oder 4000 Einwohner kommen gemäss Prognosen jährlich hinzu. Was rund um die Stadt Luzern geschieht, ist in grösseren Einzugsgebieten wie um Zug oder Sursee nicht anders. Relativ kurze Wege, gute Verkehrsanbindungen und ein üppiges Menü an Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen, Gastroangeboten, Kultur- und Sportprogrammen – das Leben in urbanen Gebieten scheint sehr attraktiv, Siedlungsentwicklungen boomen darum regelrecht.

Für diese Voraussage braucht man kein Experte zu sein: Das enorme Wachstum stellt Städte und Agglomerationen vor grosse Herausforderungen bei der Infrastruktur. Insbesondere in Sachen Verkehr, Sozialkosten und Schulen werden die Zentrumslasten aufgrund des hohen Siedlungsdrucks weiter steigen. Um diese Wachstumsschmerzen zu lindern, braucht es zwingend politischen Weitblick. Auch aufgrund klammer Kommunalkassen sind die Perspektiven aber oft zu kurzsichtig. Das zeigt das Beispiel Kriens, wo allein bis 2020 mindestens 1300 neue Wohnungen entstehen. Bekannt ist diese bauliche Entwicklung schon längst. Aus Kostengründen und/oder fehlendem politischem Willen ist die Schulraumplanung indes vernachlässigt worden. Und weil es auch mit der notwendigen gemeindeübergreifenden Kooperation – hier etwa mit Horw – nicht klappt, setzt man auf provisorische (Pavillon-)Lösungen. Vorausschauende nachhaltige Planungen sehen anders aus.


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