War Farage Mittelsmann in der Russland-Connection?

14. Juni 2017, 00:00

Spekulationen Nigel Farage hatte Pech: Wäre Ian Stubbings nicht gewesen, niemand hätte erfahren, dass der Brexit-Vorkämpfer im März Wikileaks-Gründer Julian Assange besucht hatte. Stubbings, ein Londoner, ging auf seinem Arbeitsweg an der ecuadorianischen Botschaft vorbei, worin sich Assange seit fünf Jahren versteckt. Als er ein ihm bekanntes Gesicht beim Eintreten ins Gebäude beobachtete, berichtete Stubbings davon umgehend auf Twitter. Wenig später meldeten sich Reporter bei Farage. Dieser konnte, oder besser wollte, sich nicht erinnern. In einem Interview räumte er dann ein, dass er tatsächlich den Wiki-leaks-Gründer besucht hatte – «aus journalistischen Gründen».

Farage trifft wohl täglich alle möglichen und unmöglichen Leute. Und seit er als Kommentator für «Fox News» arbeitet, mag das auch aus «journalistischen Gründen» passieren. Brisant wird es aber, wenn man weiss, dass Farage enge Kontakte zu Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump unterhält. Assange seinerseits hat mit der Veröffentlichung von gehackten E-Mails der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clintons wohl die US-Wahlen mitentschieden. Es besteht ausserdem der Verdacht, dass die Veröffentlichung der Mails von Russland orchestriert wurde. Die Frage drängt sich auf: War Farage Mittelsmann zwischen den Trump-Leuten und Assange, beziehungsweise den Russen?

Laut dem «Guardian» interessiert sich das FBI dafür. Farage sei zwar keine Zielperson der Ermittlungen. Doch: «Wenn man eine Verbindungslinie zwischen Russland, Assange und Trump-Vertrauten zieht, ist Farage die Person mit den meisten Berührungspunkten», wird eine mit den Untersuchungen vertraute Person zitiert. Farage selber bezeichnet die Berichte als «reine Hysterie». Er habe keine Kontakte zu den Russen. Die Frage sei aber erlaubt: Wenn er Assange lediglich aus «journalistischen Gründen» besucht hat – wann wird es dann einen entsprechenden Bericht zu sehen geben?

Remo Hess, Brüssel


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