Aussichten

40 Rappen für die kreative Seite der Schweiz

20. Mai 2017, 00:00

Seit Mittwoch dieser Woche ist sie nun «erhältlich» – die neue 20er-Note. Das Projekt zur Erneuerung aller Bank­noten – weg von der Abbildung (oder vom Kult?) um berühmte Personen, hin zur Abbildung von typischen Seiten der Schweiz – begann 2016 mit fünfjähriger Verspätung. Die 50er-Note war die erste der neuen Serie, bis 2019 sollen die übrigen Noten der achten Serie erneuert werden.

Bis heute ist nur noch etwa ein Drittel der alten 50er- Noten im Umlauf, die restlichen wurden umgetauscht. Wer hier, aus welchen Gründen auch immer, an Bewährtem festhält und einen Umtausch scheut (vielleicht sogar noch alte Noten zu Hause hortet), dürfte erleichtert sein: Bis dato galt, dass bis zum 30. April 2020 die Ende der 1970er-Jahre ausgegebene sechste Banknotenserie (mit dem berühmten Konterfei von Francesco Borromini auf dem Hunderter), von der Ende 2016 noch immer 1,14 Milliarden Franken im Publikum waren, ihren Geldwert hätte verlieren sollen, sprich: höchstens noch als Notizpapier zu gebrauchen gewesen wäre. Wie der Bundesrat Anfang April vorschlug, soll nun diese Serie unbeschränkt gültig sein. Das heisst, man kann damit zwar nicht mehr einkaufen, aber die alten Noten bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in neue umtauschen.

Wie die SNB in der vorher­gehenden Woche erläuterte, zeigt die neue 20er-Note als kreative Seite der Schweiz auf der Vorderseite ein Prisma, auf der Rückseite sind Schmetterlinge und das Filmfestival Locarno auf der Piazza Grande zu sehen. Bereits wird auch gemunkelt, dass die auf der Note ersichtliche weisse Leinwand sogar dazu inspirieren könnte, eigene Seiten der Kreativität wirken zu lassen und das künstlerische Werk eigenhändig zu veredeln.

Gerade wenn es um Geld geht, dürfte die Diskussion über die Frage, wie viel Geld das neue Geld kostet, erlaubt sein. Die Schweizerische Nationalbank selber hat veröffentlicht, dass eine neue 20er-Note mit 40 Rappen zu Buche schlägt. Das ist im Vergleich zur vorherigen Serie eine Steigerung um 10 Rappen oder mehr als 30 Prozent, je nach Betrachtungsweise. Wie die 40 Rappen ganz genau abgegrenzt wurden (welche Kosten werden dazugezählt, welche nicht), wird von der SNB nicht veröffentlicht.

Bis anhin war die Note beliebt: Laut letzter von der SNB für 2016 veröffentlichter Statistik waren 19,8 Prozent aller Banknoten 20er-Noten. In absoluten Zahlen waren dies 84143236 Noten, die einen Wert von rund 1,7 Milliarden Franken repräsentieren. Verglichen mit dem totalen Wert aller herausgegebenen Banknoten (rund 72 Milliarden) entspricht das Volumen der 20er-Noten einem Anteil von 2,3 Prozent.

Die beliebteste Note ist übrigens der Hunderter, von ihm gibt es mit rund 118 Millionen Noten deutlich mehr als von den 20er-Noten. Wird davon ausgegangen, dass die Kalkulation der 40 Rappen auf einem ähnlichen Mengengerüst pro Stück als Divisionskalkulation berechnet wurde, so sprechen wir bei der 20er-Note also von totalen Herstellungskosten in der Höhe von rund 33,7 Millionen Franken.

An wen fliessen eigentlich diese Millionen? Die Schweizerische Nationalbank legte auf Anfrage des Autors nicht detaillierter offen, welche genauen Kostenkomponenten (und damit Auftraggeber) die Gelder erhalten. Aufgrund der notwendigen Sicherheitsmassnahmen ist dies absolut verständlich. Auf Basis der öffentlich verfügbaren Informationen ist aber zum Beispiel bekannt, dass das Unternehmen Orell Füssli Banknoten der Schweiz druckt. Diese Gesellschaft erreichte gemäss letztem Geschäftsbericht 2016 im Sicherheitsnotendruck einen Umsatz von rund 121 Millionen; der mit diesem Segment erzielte Betriebsgewinn beläuft sich auf rund 17 Millionen; dies entspricht einer betrieblichen Rendite von gegen 14 Prozent – ein höchst profitables Geschäft. Wie viel davon auf welche Schweizer Note entfällt, wird nicht veröffentlicht.

Die Schweizerische Nationalbank selber verdient an der Bewirtschaftung der Banknoten übrigens nichts. Ihr 2016 erzielter Jahresgewinn von rund 24 Milliarden Franken setzt sich aktuell im Wesentlichen aus Gewinnen aus Fremdwährungspositionen (19 Milliarden) und Goldbestand (3,9 Milliarden) zusammen. Allerdings: Ein Blick in die Aktionärsstruktur von Orell Füssli zeigt einen prominenten Mehrheitsaktionär auf: Die Nationalbank selber besitzt rund einen Drittel des Unternehmens und profitiert so indirekt wieder vom Gewinn aus dem Notendruck.

Hinweis

Marco Passardi (43) ist Professor, Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ).

Marco Passardi

wirtschaft@luzernerzeitung.ch


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