5-Sterne-Gefühl im 4-Sterne-Haus

MONTANA ⋅ Die Spitzenhotellerie am Vierwaldstättersee ist im Umbruch und erlebt aktuell gigantische Investitionen. Jetzt geht auch das Hotel Montana in die Offensive – mit einem neuen Ansatz.
11. November 2017, 00:00

Thomas Bornhauser

Economy oder Business? Zweite oder erste Klasse? Im Luft- oder im Bahnverkehr ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Kundschaft unter dem gleichen Dach unterschiedliche Qualität angeboten wird. Nicht so in der Hotellerie. Zumindest nicht offiziell. Und zumindest in der Schweiz nicht. Diesen Sachverhalt will nun ein Hotelier ändern, den manche in der Branche als «en verruckte Cheib» bezeichnen. Der Mann heisst Fritz Erni, ist 62 Jahre alt und leitet in Luzern, hoch über dem Vierwaldstättersee, seit über 20 Jahren das altehrwürdige Hotel Montana.

Innert zweier Tage habe er nach Bekanntgabe des Erneuerungsprojektes für das Hotel Palace in Luzern eine Marktanalyse für das eigene Hotel erstellt, erzählt Erni. Konkret sei es darum gegangen, das eigene Hotel als 4-Sterne-Superior-Betrieb in seiner Positionierung weiterzuentwickeln. Und dann sei alles dafür Notwendige ausgelöst worden.

Das Konzept: Hotel im Hotel

Im Ergebnis geht das «Montana» in den nächsten Tagen mit einem Angebot an den Start, wie es in der Schweiz neuartig erscheint: Innerhalb des 4-Sterne-Hotels gibt es neu auf den zwei obersten Etagen Übernachtungsmöglichkeiten in 5-Sterne-Qualität, sozusagen ein Hotel im Hotel. Dazu gehört im Infrastrukturbereich die durchgehende Klimatisierung der Räume. «Das wird von Kunden aus den USA und aus arabischen Ländern heute sowieso erwartet», sagt Erni. Nebst Klimatisierung, privaten Whirlpools und atemberaubender Sicht auf See und Berge können die Gäste im obersten Teil des Hauses aber auch 5-Sterne-Dienstleistungen in Anspruch nehmen: So steht ­ihnen zum Beispiel ein Concierge zur Verfügung, und darüber hinaus – auf ­Anfrage und gegen Aufschlag – auch ein Butler für persönliche Botengänge. Und es gibt für sie auf Wunsch auch warmes Essen rund um die Uhr.

Hinzu soll ein Clou der besonderen Art kommen. Dieser trägt den Namen Pepper und ist ein Roboter. Pepper sei ein «informativer und kommunikativer Roboter-Gefährte» und habe einen «runden Kopf mit überproportional grossen Augen in einem niedlichen Gesicht», erfährt man dazu auf Wikipedia. Und weiter: «Pepper ist ein humanoider Roboter, der darauf programmiert ist, Menschen und deren Mimik und Gestik zu analysieren und auf diese Emotionszustände entsprechend zu reagieren.» Der Hightech-Spass wird in französisch-japanischer Koproduktion hergestellt und soll pro Exemplar gut 100 000 Franken kosten.

Erni möchte seine Gäste ab Anfang Dezember mit einem solchen Pepper verblüffen. Die Offensive des Hotels Montana erfolgt im Rahmen eines noch nie erlebten Investitionsschubs in der hiesigen Spitzenhotellerie: Erst steckte der österreichische Investor Pühringer mehrere hundert Millionen Franken ins Vitznauer Park Hotel. Dann haben die Katari auf der gegenüberliegenden Seite des Sees mit rund einer Milliarde Franken das Bürgenstock-Resort auf Vordermann gebracht. Und aktuell will der Chinese Yunfeng Gao das Fünf-Sterne-Haus Palace direkt am See für schätzungsweise 100 Millionen Franken wieder auf den neuesten Stand bringen.

Im Unterschied zu diesen Häusern hat das Hotel Montana betriebswirtschaftlich einen anderen Weg gewählt. In zahlreichen Investitionsschritten ist das vergleichsweise kleine Haus mit aktuell 62 Zimmern laufend a jour gehalten worden. Auch jetzt sollen die am Bau getätigten Investitionen «nur» einen kleinen siebenstelligen Betrag ausgemacht haben. Hinzu kommt aber eine Dienstleistungsoffensive, die neue Massstäbe setzen soll. «5-Sterne-Qualität im 4-Sterne-Haus», nennt das Erni, auch wenn das Hotel Montana in seiner ­offiziellen Klassifikation ein 4-Sterne-Superior-Haus bleibt (siehe Kasten zur Klassifikation).

Keine Gruppen, wenig Rabatte

Und die Preise? Heute ist das «Montana» in seiner Kategorie als Hotel mit selbstbewussten Preisen bekannt. Als 4-Sterne-Superior-Haus ist es im Winterhalbjahr kaum je günstiger als die 5-Sterne-Häuser vor Ort. So kann im «Montana» auch im November oder Dezember eine Hotelübernachtung um die 300 Franken kosten. Diese Preise will man zumindest halten – und gleichzeitig die Qualität weiter steigern.

Gruppenrabatte im grossen Stil gibt es ­offenbar nicht, zumal das Haus ohne-hin konsequent auf individuelle Touristen setzt, rund die Hälfte davon aus der Schweiz. Für jene Hotelgäste, die künftig 5-Sterne-Qualität im 5. und 6. Stock des Hauses in Anspruch nehmen, soll laut Erni ein Preisaufschlag von rund 10 bis 20 Prozent hinzukommen.

Die Frage, ob das «Montana» mittelfristig auch offiziell zum 5-Sterne-Hotel mutieren will, beantwortet Erni indes mit einem klaren Nein. Letztmals war das Haus im Jahr 2015 klassifiziert worden und bestätigte damals mit gut 600Punkten sein offizielles Ranking. Der beim Verband Hotelleriesuisse für die Klassifikationen zuständige Daniel Beerli sagt dazu, dass «die Chancen des Hotels Montana für eine 5-Sterne-Klassifikation durchaus vorhanden sind». Die Klassifikationen werden im 3-Jahres-Rhythmus durchgeführt, im «Montana» das nächste Mal also 2018. Doch Erni sieht keinen Grund für ein offizielles Anheben des Hotelratings. Stattdessen gilt für ihn die Devise: «Mehr bieten, als die Gäste erwarten».


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