Actebis-Betrug: Gefängnisstrafe

LUZERN ⋅ Das Kriminalgericht hat einen früheren IT-Manager zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Eine Strafe gibts auch für drei andere Ex-Mitarbeiter.

13. September 2016, 00:00

sda. Im Prozess um einen mutmasslichen Millionenbetrug beim einstigen IT-Grosshändler Actebis hat das Luzerner Kriminalgericht den Hauptangeklagten zu der von der Staatsanwaltschaft geforderten sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Einer der drei Mitbeschuldigten wurde freigesprochen.

Das Gericht sprach den 52-Jährigen ehemaligen Actebis-Kadermann in einem Dutzend Anklagepunkte schuldig und verurteilte ihn wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, mehrfachen gewerbsmässigen Betruges und mehrfacher Urkundenfälschung. Es liess einige wenige Anklagepunkte fallen, folgte der Anklage aber beim Strafmass.

18 Millionen Franken unterschlagen

Die Vorwürfe gegen den Beschuldigten gehen auf die Jahre 2003 und 2004 zurück. Er soll Geld in der Höhe von fast 18 Millionen Franken missbräuchlich auf sein Privatkonto abgezweigt haben. In jener Zeit war der Manager auch Verwaltungsrat bei den SCL Tigers. Ein Verfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung beim Emmentaler Eishockeyclub wurde vom Kriminalgericht wegen Verjährung eingestellt. Bei einem ebenfalls angeklagten Buchhalter der Actebis stellt das Kriminalgericht die Erfüllung mehrerer Straftatbestände fest, nämlich der falschen Anschuldigung, des gewerbsmässigen Betrugs und der mehrfachen Urkundenfälschung.

Schuldfrage noch nicht geklärt

Die Schuldfrage wurde vom Gericht noch nicht beurteilt, da zunächst die Schuldfähigkeit des Beschuldigten, eines notorischen Glücksspielers, beurteilt werden soll. Dies hatte die Verteidigung beantragt.

Zwei weitere Mitbeschuldigte hatten bei einem Computerhersteller gearbeitet. Bei beiden blieb das Gericht unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft: Einer wurde wegen gewerbsmässigen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten bedingt (Staatsanwaltschaft: 20 Monate bedingt) verurteilt, ein zweiter wurde freigesprochen (Staatsanwaltschaft: 14 Monate bedingt).

Beim dreitägigen Prozess im August vor dem Luzerner Kriminalgericht war es gemäss Anklage um missbräuchliche Graumarktgeschäfte gegangen. Die Verteidiger bestritten die Vorwürfe ganz oder weitgehend und verwiesen auf das damals raue Gebaren im IT-Grosshandel. Sie verlangten im Falle der beiden Mitarbeiter des Computerherstellers Freisprüche oder im Falle des Actebis-Kadermanns wegen der langen Verfahrensdauer einen Strafverzicht.

Das Urteil liegt erst im Dispositiv vor. Es ist somit noch nicht begründet und auch noch nicht rechtskräftig.


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